Lesen Sie auch Teil 1 - Designed in Bavaria und Teil 2 - Made in Bavaria

Ein Beitrag von Nadine Vicentini, bayern design Geschäftsführerin

Die konsequente Designförderung ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg und Ausbau des bayerischen Designstandortes. In Nürnberg erfolgte im Jahr 1987 unter wesentlicher Mithilfe der IHK Nürnberg und des Grafen Faber-Castell die Gründung des Designforums Nürnberg und nur zwei Jahre später gründete sich das Designzentrum München. Hilfe zur Selbsthilfe war dabei ein wesentlicher Treiber.

Wie können sich bayerische Unternehmen mittels Gestaltung von ihren Mitbewerbenden auf dem Markt differenzieren? So lautete die damals wie heute aktuelle Fragestellung der beteiligten Unternehmen und Gestaltenden. Unter Mitwirkung des bayerischen Wirtschaftsministeriums fassten beide Vereine ihre Aktivitäten im Jahr 2001 in der bayern design GmbH mit Geschäftsstellen in Nürnberg und München zusammen, so dass bayern design und die bayerische Designförderung im Jahr 2022 auf eine inzwischen 35-jährige Geschichte zurückblicken können.

Nachwuchsförderung wirkt

Ebenfalls 1987 wurde der Bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner vom bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft ins Leben gerufen und bis 2016 alle zwei Jahre an begabte Nachwuchskräfte vergeben. Der Preis betonte die Wichtigkeit einer qualifizierten Ausbildung und die Notwendigkeit von gutem Design und guter handwerklicher Gestaltung im Bereich der deutschen Wirtschaft.

Munich Creative Business Week (MCBW)

Seit dem Jahr 2012 setzt die bayerische Wirtschaftsförderung auf die Munich Creative Business Week (MCBW): Deutschlands größtes Designevent und internationales Schaufenster für die bayerische Kreativ- und Designwirtschaft. Als Plattform bietet die MCBW über neun Tage hinweg Unternehmen und Gestaltenden aller Disziplinen aus Bayern und der Welt die Möglichkeit, sich der Fachwelt sowie der designinteressierten Öffentlichkeit in München und Umgebung in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten, wie z. B. Ausstellungen, Vorträgen, Talks, Podiumsdiskussionen etc., zu präsentieren und auszutauschen und zu vernetzen.

Die MCBW wird von bayern design ausgerichtet und vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie von der Landeshauptstadt München gefördert. Unternehmen wie die BMW Group, Steelcase und Ströer unterstützen die MCBW maßgeblich als Partner:innen.

Inspirierende Designerlebnisse und fachliche Vernetzung

Unter dem Leitmotiv Design connects und den beiden Programmbereichen CREATE BUSINESS! für das Fachpublikum und DESIGN SCHAU! für die designaffine Öffentlichkeit werden inspirierende Designerlebnisse geschaffen, Fachwissen geteilt, über Trends und neueste Innovationen berichtet sowie Kontakte geknüpft, um vollkommen in die Welt des Designs einzutauchen. Dabei unterstreicht die MCBW ihre konzeptionell-inhaltliche Ausrichtung mit wechselnden thematischen Schwerpunkten entlang der großen Trends und Fragen, welche die Gesellschaft bewegen.

Mit ihrer internationalen Strahlkraft ist die MCBW Teil des weltweiten Netzwerkes bedeutender Designwochen World Design Weeks.

Mit Design zum Erfolg

Mit den Coburger Designtagen verfügt Bayern über ein weiteres Designfestival. Was 1988 mit der Zielsetzung „Designorientierung als Schlüssel zum Erfolg der Region Oberfranken“ begann, hat sich mittlerweile zu einer Institution für den Design-Standort Coburg und Oberfranken entwickelt.

Die durch das Wirtschaftsministerium geförderten und durch das Coburger Designforum Oberfranken veranstalteten Designtage sollen inspirieren, vorstellen, illustrieren, Objekte und Themen zum Leben erwecken, inszenieren und erzählen. So werden während der Designtage bereits viele Entwicklungen angestoßen, von denen Firmen, Institutionen und Menschen in Oberfranken und darüber hinaus bis heute profitieren.

Aber was ist denn nun bayern design und was tun wir genau?

Regelmäßig bieten wir insbesondere dem Designnachwuchs Möglichkeiten, sich und seine Arbeiten vorzustellen. So zeigen wir in enger Kooperation mit NürnbergMesse seit einigen Jahren während der Messe FACHPACK zukunftsorientierte und kreative Designlösungen aus dem Packaging Design.

Auf großes Interesse bei Medien und Publikum stieß in 2021 zum Beispiel die Regensburger Industrie- und Produktdesignerin Amelie Graf mit ihrer wasserlöslichen, essbaren Lebensmittelverpackung Meal Bag. Zwei Jahre zuvor erregte die SOAPBOTTLE der Nürnberger Designerin Jonna Breitenhuber Aufsehen. Sie gestaltete eine Verpackung aus Seife, die Flüssigseife oder Duschgel enthält. Nach dem Verbrauch des Inhalts kann die Verpackung selbst als Seife weiter genutzt werden. Das Konzept spielt mit dem Vorgang des Auflösens, mit der Transformation des Gegenstands - und zeigt klar den Mehrwert von Design. Aktuell bereitet die Designerin den Markteintritt von SOAPBOTTLE vor.

Wissenstransfer, Kollaborationen und Kooperationen

Als Kompetenzzentrum für Gestaltung in Bayern mit einem interdisziplinären Team an den Standorten Nürnberg und München sind wir die erste Anlaufstelle, wenn es um Wissenstransfer, Kollaborationen und Kooperationen zu Design geht - unabhängig von der Größe eines Unternehmens oder der Branche. Mehr über unsere Aufgaben, Ziele, Projekte und Aktivitäten finden Sie hier.

Besondere Denk- und Arbeitsweise von Designer:innen

Während der Internationalen Automobilausstellung IAA Mobility in München konnten wir Design als Zukunftsdisziplin und als einen zentralen Erfolgsfaktor der gesamten Mobilitätsbranche vorstellen. Beispielhaft dafür stand die Konzeptstudie VISION ZERO des Designstudierenden Yonghoon Lee von der Hochschule München. Sein holistischer Entwurf verbindet kulturelle, ästhetische und funktionale Aspekte mit Identität, Energiebewusstsein und Nachhaltigkeit und schafft so eine überzeugende, ganzheitliche Lösung für die individuelle Mobilität im Stadtraum. „VISION ZERO“ ist Gewinner des weltweiten Wettbewerbs von PININFARINA für Smart Individual Mobility 2021.

Drei Beispiele, die auch einem breiten Publikum die besondere Denk- und Arbeitsweise von Gestaltenden transparent machen und den unverzichtbaren Beitrag von Design für den wirtschaftlichen Erfolg zeigen.

Transformative Kraft von Design

Wir bei bayern design wissen um das Potenzial von Design als starker Treiber, glauben an die verbindende Stärke verschiedener Disziplinen und an die Wichtigkeit eines übergreifenden Zusammenarbeitens. Unser Ziel ist es, dass wir mit unseren Aktivitäten Bayern weiter zum international anerkannten Standort für Innovation und Design ausbauen. Dem sind alle unsere Aktivitäten zum Wissenstransfer, zur Designkompetenz und zur Vernetzung von Wirtschaft und Designcommunity verschrieben.

Nicht auszuschließen, dass in Zukunft auch bayerische Unternehmen nicht nur “Made in Germany” auf ihre Produkte, sondern analog zu Apple (“Designed in California”!) voller Stolz mit “Designed in Bavaria” auf den regionalen Ursprung der Designs ihrer Marken und Produkte verweisen und der Wirtschaftsstandort Bayern nicht nur unter dem Schlagwort „Laptop und Lederhose“ bekannt ist, sondern vielleicht auch unter dem Motto „Design und Dirndl“ steht.“

Der Beitrag erschien zuerst in Slanted Special Issue Bavaria, Juli 2022:

Slanted Publishers (ed., pub., design), July 2022, 192 p., 16 × 24 cm, English, open stitch binding, offset printing, Stober Medien, inside cover design createdbygabe, 978-3-948440-40-4, € 14.– / $ 15.50

Wir danken dem SLANTED Redaktionsteam für die großartige Zusammenarbeit und unserem Förderer, dem bayerischen Wirtschaftsministerium, der dieser Idee zum Durchbruch verholfen hat.

Nadine Vicentini, Geschäftsführerin bayern design GmbH

Nadine Vicentini ist seit April 2021 Geschäftsführerin von bayern design, dem Kompetenzzentrum für Gestaltung in Bayern und Veranstalter der Munich Creative Business Week (MCBW). Sie studierte Medien, Kommunikation & kulturelle Studien an den Universitäten Kassel und Roskilde, Dänemark. Es folgten berufliche Stationen als Marketingmanagerin, Account Director und Teamleiterin für renommierte Design-und Architekturbüros wie z.B. KMS Team, Blackspace und Schmidhuber. Seit 2014 war sie in den Bereichen Markenentwicklung und Designstrategie sowie als dvct-zertifizierter systemischer Business Coach selbständig tätig. Zusätzlich engagiert sie sich als freie Dozentin in der Designausbildung.