18. November 2019

Design­ent­schei­dun­gen

Ent­wurfs­pro­zes­se kön­nen als Abfol­ge bewusst oder unbe­wusst getrof­fe­ner Ent­schei­dun­gen betrach­tet wer­den. Unter die­ser Per­spek­ti­ve ist die uns umge­ben­de Welt der Arte­fak­te das Resul­tat von Beschlüs­sen, die ande­re, meist uns unbe­kann­te Per­so­nen bei der Gestal­tung von Pro­duk­ten, media­len Wer­ken oder Gebäu­den irgend­wann ein­mal gefasst haben. Mit Blick auf das Design lässt sich fest­stel­len, dass Ent­schei­dun­gen oft­mals mul­tik­au­sal begrün­det sind. Neben ästhe­ti­schen spie­len und spiel­ten vor allem tech­ni­sche, öko­no­mi­sche, gesell­schaft­lich-kul­tu­rel­le, manch­mal juris­ti­sche, zeit­wei­se aber auch ver­stärkt poli­ti­sche oder öko­lo­gi­sche Bedin­gun­gen und Beweg­grün­de eine Rol­le. Obwohl sol­che Gesichts­punk­te zu Ent­schei­dun­gen füh­ren, die Design­ent­wür­fen ihre jewei­li­ge Aus­prä­gung und Erschei­nung ver­lei­hen, sind die Ent­schei­dungs­grün­de am spä­te­ren Erzeug­nis (ins­be­son­de­re für Lai­en) in der Regel wenig ables­bar. Viel­fach lässt sich erst durch eine akri­bi­sche design­wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung nach­voll­zie­hen, nach wel­chen Kri­te­ri­en und auf­grund wel­cher Ein­flüs­se Ideen im Ent­wick­lungs­pro­zess selek­tiert wur­den. Das gilt ins­be­son­de­re für Ent­wür­fe, deren Ent­ste­hungs­zeit­raum weit in der Ver­gan­gen­heit liegt.

Um his­to­ri­sche Design­leis­tun­gen also nicht nur sti­lis­tisch-ästhe­tisch ein­zu­ord­nen, son­dern vor dem Hin­ter­grund ihrer gesamt­pro­zes­sua­len Poie­sis begrei­fen zu kön­nen, rich­tet die Tagung der Gesell­schaft für Design­ge­schich­te im Jahr 2020 ihr Augen­merk auf die unter­schied­li­chen Moti­ve hin­ter Design­ent­schei­dun­gen (etwa auch in Wett­be­werbs­si­tua­tio­nen). Sie beleuch­tet, wes­halb bestimm­te Arte­fak­te so, wie sie die Öffent­lich­keit kennt, und nicht anders geformt, gefärbt bezie­hungs­wei­se struk­tu­riert wur­den. Zudem liegt das Inter­es­se auf Ent­schei­dun­gen, die bei­na­he getrof­fen wor­den wären, und auf deren rück­bli­ckend als mög­lich anzu­neh­men­den Aus­wir­kun­gen. Die Geschich­ten, die uns die Gene­se eines Arte­fakts erklä­ren, sind meist min­des­tens so auf­schluss­reich wie das dar­aus her­vor­ge­gan­ge­ne Ergeb­nis selbst. Sie zu erfor­schen stellt ein kom­ple­xes Unter­fan­gen dar und erfor­dert ein Metho­den-Set so viel­schich­tig wie die dabei zu stel­len­den Fra­gen. Das Anlie­gen hier­bei liegt jedoch nicht nur in his­to­ri­schem Inter­es­se begrün­det. Dass vor dem Hin­ter­grund des maschi­nel­len Ler­nens Com­pu­ter zukünf­tig immer stär­ker in die Aus­wahl von Alter­na­ti­ven ein­ge­bun­den sein wer­den, lässt der Kennt­nis über Design­ent­schei­dungs­grün­de und ‑pro­zes­se eine noch grö­ße­re Bedeu­tung zukommen.

Gast­ge­ben­des Haus der GfDg-Jah­res­ta­gung 2020 am 5. Und 6. Juni 2020 ist das staat­li­che Tex­til- und Indus­trie­mu­se­um Augs­burg (tim). Zu des­sen Aus­stel­lung und Samm­lung gehö­ren ein his­to­ri­scher Maschi­nen­park sowie eine umfang­rei­che und eben­so sel­te­ne tex­ti­le Mustersammlung.

Wir freu­en uns auf The­men­bei­trä­ge, die sich his­to­ri­schen Design­ent­schei­dun­gen sowie deren Begrün­dun­gen wid­men und (wenn mög­lich und sinn­voll) dar­über hin­aus erläu­tern, wel­che Ana­ly­se­ver­fah­ren zur Klä­rung der ein­zel­nen Fra­ge­stel­lun­gen zur Anwen­dung gekom­men sind. Nicht uner­wähnt blei­ben soll, dass auch Berich­te von Zeugen/innen aus Ent­wurfs- und Ent­wick­lungs­teams, die bis in die 1990er Jah­re datie­ren, will­kom­men sind.

Bit­te sen­den Sie Ihr Abs­tract mit bis zu 400 Wör­tern und eine Kurz­bio­gra­fie bis zum 19. Janu­ar 2020 an: info@gfdg.org