Was kann Design

Eine Dis­zi­plin mit Power

Apps auf dem Smart­phone, Satel­li­ten im Welt­all, Stadt­räu­me und Sied­lun­gen – all das wäre ohne Design schon gar nicht mehr denk­bar. Design ent­steht heu­te häu­fig auf empi­ri­schen Grund­la­gen, nutzt neu­es­te Erkennt­nis­se aus der Wis­sen­schaft, treibt sie aktiv vor­an und sorgt dafür, dass Tech­no­lo­gie all­tags­fä­hig wird. Design ist zugleich empi­risch wie künst­le­risch, emo­tio­nal wie funk­tio­nal. Kurz gesagt, ein inter­dis­zi­pli­nä­res Werk­zeug, das zwi­schen Men­schen, Tech­no­lo­gien und Sys­te­men ver­mit­telt. Design ist in unse­rem All­tag all­ge­gen­wär­tig. Oft wirkt es im Hin­ter­grund, ohne dass es bewusst wahr­ge­nom­men wird. Und genau das macht es heu­te so schwer greif­bar. Den­noch gibt es ver­mut­lich weni­ge Dis­zi­pli­nen, die so ein­fluss­reich sind, um eine lebens­wer­te Welt von mor­gen zu gestalten.

Was kann Design

Design kann viel und vor allem eini­ges mehr, als man auf den ers­ten Blick ver­mu­tet. Es gestal­tet unse­re Umwelt so, dass sie für mög­lichst vie­le Men­schen ver­ständ­lich, nutz­bar und zugäng­lich wird. Es eröff­net neue Wel­ten, etwa durch Pro­duk­te oder Nut­zer­ober­flä­chen, die intui­tiv funk­tio­nie­ren. Ob in Apps oder in Leit­sys­te­men in öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen wie Flug­hä­fen und Kran­ken­häu­sern: Design schafft Ori­en­tie­rung in einer immer kom­ple­xe­ren Welt, indem es Infor­ma­tio­nen ver­ständ­lich macht und Struk­tu­ren auf­be­rei­tet. Design spricht Emo­tio­nen an, för­dert Wohl­be­fin­den, Krea­ti­vi­tät und Ler­nen und unter­stützt damit sogar bei der Hei­lung. Es bringt unter­schied­li­che Inter­es­sen in Ein­klang, etwa im öffent­li­chen Raum, im Ver­kehr oder in Nach­bar­schaf­ten. Design über­setzt Hal­tung in Erschei­nungs­bil­der und Mar­ken, macht Wer­te und Zie­le von Unter­neh­men, NGOs oder kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen sichtbar.

Gera­de in Zei­ten des Wan­dels hat gutes Design eine wich­ti­ge Funk­ti­on: Es schafft Kon­ti­nui­tät, indem es ver­trau­te Ele­men­te in neue Kon­tex­te über­trägt. Es gestal­tet nach­hal­ti­ge Pro­duk­te, die Res­sour­cen scho­nen, lang­le­big und repa­rier­bar sind. Und es denkt vor­aus: Gutes Design wagt neue Wege, ver­netzt Dis­zi­pli­nen, treibt Inno­va­tio­nen vor­an und macht Zukünf­te greifbar.

War­um beschäf­ti­gen wir uns mit Design und war­um soll­ten das auch ande­re tun?

Wel­ten eröffnen

Design gestal­tet Din­ge so, dass alle Men­schen sie intui­tiv benut­zen können.

Unse­re Gesell­schaft ist viel­fäl­tig: Men­schen ver­schie­de­ner Alters­grup­pen, Spra­chen und Kul­tu­ren leben zusam­men. Sie haben unter­schied­li­che Bedürf­nis­se. Pro­duk­te, Erleb­nis­se und Räu­me müs­sen so gestal­tet sein, dass jeder sie nut­zen kann. Dafür braucht es ein Design, das sich selbst erklärt und auf alle Rück­sicht nimmt. Ob Möbel, digi­ta­le Apps oder Mög­lich­kei­ten für sozia­les Enga­ge­ment – ein intui­ti­ves und zugäng­li­ches Design hilft allen.

enna ist eine Kommunikationsstation, die speziell für die Bedürfnisse von Senior:innen entwickelt wurde. © Abbildung: HYVE Innovate GmbH
Kommunikationsstation vor neutralem Grund.
enna ist eine Kommunikationsstation, die speziell für die Bedürfnisse von Senior:innen entwickelt wurde. © Abbildung: HYVE Innovate GmbH

Klar­heit schaffen

Design schafft Ori­en­tie­rung, damit sich Men­schen bes­ser zurechtfinden.

Die Welt wird immer kom­ple­xer – digi­tal und phy­sisch. Infor­ma­tio­nen sind über­all ver­füg­bar, doch manch­mal geht die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren. Design bringt Ord­nung in die­ses Cha­os: Es macht Daten greif­bar, indem es Infor­ma­tio­nen mit Far­ben, For­men und Sym­bo­len auf­ar­bei­tet oder Geschich­ten erzählt. Design schafft Klar­heit – ob mit Kar­ten, Dia­gram­men oder der Gestal­tung von Räu­men. So hilft Design Men­schen, sich in der Welt bes­ser zurechtzufinden.

Leitsystem in einem Krankenhaus
Ein Leitsystem ermöglicht uns, dass wir uns in großen Räumen schnell zurecht finden, so wie hier in der kbo-Kinderklinik München. © Abbildung: designgruppe koop
Leitsystem in einem Krankenhaus
Ein Leitsystem ermöglicht uns, dass wir uns in großen Räumen schnell zurecht finden, so wie hier in der kbo-Kinderklinik München. © Abbildung: designgruppe koop

Emo­tio­nen ansprechen

Design spricht Emo­tio­nen an, um Wohl­be­fin­den, Hei­lung, Krea­ti­vi­tät oder Ent­schei­dun­gen zu fördern.

Emo­tio­nen sind wich­tig im All­tag. Sie hel­fen uns, Din­ge als gut oder schlecht, sicher oder gefähr­lich zu erken­nen. Sie beein­flus­sen auch unser Ver­hal­ten, unser Den­ken und unse­re Ent­schei­dun­gen. Design kann durch Far­ben, For­men, Klän­ge oder Mate­ria­li­en gezielt Emo­tio­nen wecken. Es unter­stützt Krea­ti­vi­tät bei der Arbeit, för­dert Hei­lung und Wohl­be­fin­den im Kran­ken­haus sowie die Moti­va­ti­on und Auf­merk­sam­keit in der Schu­le oder im Büro.

Kissen auf einem Bett.
Die Serie finally. sorgt sich um die Bedürfnisse von Menschen auf der Palliativstation. © Abbildungen FINAL STUDIO GmbH & Mina Monsef
Die Serie finally. sorgt sich um die Bedürfnisse von Menschen auf der Palliativstation. © Abbildungen FINAL STUDIO GmbH & Mina Monsef

Brü­cken bauen

Design bringt unter­schied­li­che Bedürf­nis­se zusammen.

Ob in der Stadt, auf dem Land, auf öffent­li­chen Plät­zen oder im Zug – wo Men­schen zusam­men­kom­men, bestehen unter­schied­li­che Inter­es­sen. Es ist nicht immer leicht, alle Ansprü­che unter einen Hut zu brin­gen. Design hilft, die­se Bedürf­nis­se zu ver­bin­den und Brü­cken zu bau­en. Es schafft Räu­me, in denen alles gut zusam­men­passt. Das macht Räu­me lebens­wer­ter und bringt Men­schen zusammen.

Abteil in einem Zug.
Das Innenraumkonzept von N+P Innovation Design setzt auf Flexibilität und Barrierefreiheit, dort wo viele Bedürfnisse zusammenkommen: im Zug. © Abbildungen Siemens Mobility& N+P Innovation Design GmbH
Abteil in einem Zug.
Das Innenraumkonzept von N+P Innovation Design setzt auf Flexibilität und Barrierefreiheit, dort wo viele Bedürfnisse zusammenkommen: im Zug. © Abbildungen Siemens Mobility& N+P Innovation Design GmbH

Gesicht zei­gen

Design macht Wer­te, Zie­le und Ideen von Unter­neh­men sichtbar.

Erfolg bedeu­tet heu­te mehr als gute Pro­duk­te anzu­bie­ten. Men­schen ach­ten dar­auf, wofür ein Unter­neh­men steht: Wel­che Wer­te und Zie­le hat es? Wie geht es mit Mit­ar­bei­ten­den um? Schützt es die Umwelt? Die­ses Gesamt­bild wird durch eine Mar­ke zusam­men­ge­fasst. Design hilft, die­se Wer­te in der Gestal­tung von Mar­ken und Pro­duk­ten sicht­bar zu machen. So zeigt es, was ein Unter­neh­men, aber auch eine NGO oder eine Kul­tur­ein­rich­tung ausmacht.

Person mit Rennrad
Erfolgreich: Der Markenauftritt der Firma Canyon wurde erstmals 2006 gestaltet und wächst seither mit. © Abbildung: KMS Team & Canyon
Typografie
Erfolgreich: Der Markenauftritt der Firma Canyon wurde erstmals 2006 gestaltet und wächst seither mit. © Abbildung: KMS Team & Canyon

Ver­trau­tes schaffen

Design schafft Kon­ti­nui­tät in einer Welt, die sich stän­dig wandelt.

Inter­net, künst­li­che Intel­li­genz oder Glo­ba­li­sie­rung – unse­re All­tags­welt ver­än­dert sich in unglaub­li­cher Geschwin­dig­keit. Die­se Ver­än­de­run­gen kön­nen Ableh­nung oder Sor­gen her­vor­ru­fen. Design hilft, Bewähr­tes zu bewah­ren und für die Zukunft wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Dafür nutzt es ver­trau­te For­men und Ideen, um neue Lösun­gen zu schaf­fen, die die Ver­bin­dung zwi­schen Gegen­wart und Zukunft stär­ken. So ver­knüpft Design den Fort­schritt mit der All­tags­welt der Men­schen und erleich­tert den Über­gang in eine sich wan­deln­de Welt.

Stadtpark im Frühling
Superkilen ist ein Stadtpark in Kopenhagen, für den die Möblierung aus 57 Ländern zusammengetragen wurde. © Abbildung: Bjarke Ingels Group, Topotek1, Superflex
Kind in einem Stadtpark
Superkilen ist ein Stadtpark in Kopenhagen, für den die Möblierung aus 57 Ländern zusammengetragen wurde. © Abbildung: Bjarke Ingels Group, Topotek1, Superflex/Iwan Baan

Zukunft ermög­li­chen

Design ent­wi­ckelt lang­le­bi­ge Pro­duk­te, die Res­sour­cen spa­ren und unse­ren Pla­ne­ten schützen.

Kli­ma­wan­del, Umwelt­ver­schmut­zung und Ein­grif­fe in die Natur betref­fen uns alle. Schon jetzt gibt es weni­ger Tier- und Pflan­zen­ar­ten, Roh­stof­fe wer­den knap­per und das Wet­ter extre­mer. Des­halb ist es wich­tig, nach­hal­tig zu han­deln. Nach­hal­ti­ges Design setzt auf Lang­le­big­keit, Wie­der­ver­wen­dung, Repa­rier­bar­keit und Recy­cling. Es hilft dabei, neue, umwelt­freund­li­che Mate­ria­li­en zu fin­den und Öko­sys­te­me zu schüt­zen. So las­sen sich durch klu­ge Gestal­tung Res­sour­cen spa­ren, Emis­sio­nen sen­ken und die Umwelt schonen.

Möbelstück in Rohfertigung.
Neue Faserverbundwerkstoffe können helfen die Möbelproduktion nachhaltiger zu gestalten. © Abbildung: Studio Jonathan Radetz
Möbestück mit Textilüberzug
Neue Faserverbundwerkstoffe können helfen die Möbelproduktion nachhaltiger zu gestalten. © Abbildung: Studio Jonathan Radetz

Neu­es wagen

Design fin­det über­ra­schen­de Inno­va­tio­nen und Lösun­gen, die den All­tag revolutionieren.

Für eine fort­schritt­li­che Zukunft für Mensch und Pla­net braucht es neue Ideen. Design kann Pro­duk­te völ­lig neu den­ken und bringt dafür Fach­leu­te aus ver­schie­de­nen Spar­ten zusam­men: So ent­stan­den durch Design bereits völ­lig neue Pro­duk­te und Ser­vices wie Smart­wat­ches, neu­ar­ti­ge Pro­the­sen oder auch Bike- und Car­sha­ring. Design ermög­licht nicht nur über­ra­schen­de Lösun­gen, son­dern trägt dazu neue Tech­no­lo­gien für den Ein­satz im All­tag brauch­bar zu machen.

Straßenlaterne in urbanen Umfeld.
Papilio ist eine innovative Straßenlampe, die den benötigten Strom mit Windenergie produziert. © Abbildung: Andreas Lang & Tobias Trübenbacher
Straßenlaterne in urbanen Umfeld.
Papilio ist eine innovative Straßenlampe, die den benötigten Strom mit Windenergie produziert. © Abbildung: Andreas Lang & Tobias Trübenbacher

Fra­gen stellen

Design regt Dis­kus­sio­nen an und macht Fol­gen von Ent­schei­dun­gen erfahrbar.

Wir ste­hen vor gro­ßen Ver­än­de­run­gen: Digi­ta­li­sie­rung und künst­li­che Intel­li­genz ver­än­dern unse­ren Arbeits­all­tag, Umwelt­pro­ble­me ver­lan­gen schnel­les Han­deln. Design hilft, über die­se Her­aus­for­de­run­gen nach­zu­den­ken, bevor es zu spät ist. Es zeigt nicht nur Lösun­gen, son­dern stellt Fra­gen: Was wäre, wenn? Wie könn­te unse­re Zukunft aus­se­hen? Es kann Dis­kus­sio­nen anre­gen und zum Han­deln bewe­gen – in Wis­sen­schaft, Poli­tik und Gesellschaft.

Modell einer umgebauten Tankstelle
Was wenn wir eines Tages keine Tankstellen mehr bräuchten? Das Studio Sharp & Sour hat vorschläge gemacht, wie es damit weitergehgen könnte. © Abbildung: Sharp & Sour
Was wenn wir eines Tages keine Tankstellen mehr bräuchten? Das Studio Sharp & Sour hat vorschläge gemacht, wie es damit weitergehgen könnte. © Abbildung: Sharp & Sour

Klingt inter­es­sant? Dann schaut vor­bei in unse­re Aus­stel­lung „design con­nects. Was kann Design“ im Neu­en Muse­um Nürnberg.