10. April 2026

How com­pa­nies become suc­cess­ful through design

Über den Design Fitness Check von bayern design und Prof. Dr. Jan-Erik Baars

McK­in­sey weiß es. Apple lebt es. Und viele Unternehmen kön­nten davon prof­i­tieren: Design ist ein entschei­den­der Erfol­gs­fak­tor in ein­er kom­plex­en Welt. Es ver­schlankt Prozesse, verbessert Pro­duk­te und Ser­vices und ver­lei­ht Fir­men einen unver­wech­sel­baren Auftritt.

Eigentlich ganz ein­fach. Doch die Real­ität sieht anders aus. Auch 100 Jahre nach dem viel gerühmten Bauhaus wird Gestal­tung noch immer als net­ter Zusatz missver­standen, nice to have, aber nicht entschei­dend. Design, das sei doch bloß etwas Farbe, ein Logo oder eine Web­site, die etwas her­ma­cht. Das Eigentliche hät­ten ja ohne­hin (Software)-Ingenieurinnen und (Software)-Ingenieure erdacht. In dieser Welt ist Design so etwas wie das Schmier­mit­tel zwis­chen Excel-Zeilen, eine Behüb­schung, die je nach Bud­get beauf­tragt oder eben gestrichen wird. Nichts kön­nte falsch­er sein, ger­ade mit Blick auf Geschäftszahlen.

2018 zeigte McK­in­sey mit sein­er Studie „The busi­ness val­ue of design“ zu 300 börsen­notierten Unternehmen, dass diese mit kon­se­quenter Design­strate­gie schneller wach­sen, ihre Kun­den stärk­er binden und daher eine höhere Ren­dite erzie­len. Konkret steigerten sie ihren Umsatz um 32 Prozent und boten eine fast 56 Prozent höhere Ren­dite im Ver­gle­ich zum Durch­schnitt der Branche. Der McK­in­sey-Design-Index (MDI) belegte ein­drück­lich: Design ist ein knall­har­ter Wet­tbe­werb­s­fak­tor, und das lässt sich empirisch beweisen. Denn Marken­wert ist mess­bar – in Kun­den­bindungsrat­en, Net Pro­mot­er Scores und Wiederkauf­squoten. Wer Design weit­er­hin für eigentlich über­flüs­sige Deko­ra­tion hielt, hat­te sein Geschäftsmod­ell nicht verstanden.

Design als Strategie

Durch McK­in­sey wurde Design zwar nicht zur ange­wandten Betrieb­swirtschaft, kam aber raus aus der Ecke eines undefinier­baren Bauchge­fühls. Das eigentlich Erstaunliche der Studie: Erfolg bracht­en nicht etwa die schön­sten Pro­duk­te, son­dern eine kon­se­quente Design­strate­gie vom Port­fo­lio über Pro­duk­tion bis hin zum Man­age­ment. Erfolg durch Design war dort spür­bar, wo es zu ein­er Hal­tung im ganzen Unternehmen gewor­den war, ver­ankert in Prozessen und vor allem in der Kul­tur des Unternehmens, bis hin zur Führungskultur.

Erfol­gre­iche Ser­vices und Pro­duk­te sind nicht ein­fach nur leicht zu bedi­enen und machen Spaß, sie schaf­fen eine Erfahrung, die wir gerne wieder­holen. Und für die wir bere­it sind, Geld auszugeben, weil ein Marken­ver­sprechen kon­se­quent durchdek­lin­iert wird. Erschei­n­ungs­bild und User Expe­ri­ence bilden eine Ein­heit. Je rei­bungslos­er das klappt, desto größer die Leis­tung der Design­strate­gie dahin­ter. Kohärenz erzeugt Ver­trauen. Kon­sis­tentes Design ist so etwas wie ein Run­dum­sor­glospaket für User. Kaum ein Unternehmen hat das in den let­zten Jahren so kon­se­quent betrieben wie Apple, das mit seinem „designed in Cal­i­for­nia“ zum Schrittmach­er ganz­er Branchen wurde und dessen Wert an der Börse förm­lich explodierte. Design ist so tief in das Wesen des Unternehmens eingeschrieben, dass Pro­duk­te von vorn­here­in aus der Per­spek­tive der Nutzen­den gedacht und per­fek­tion­iert wer­den. Dass sie auch noch gut in der Hand liegen und wer­tig wirken, scheint fast sekundär. Doch nicht ganz. Wer die vie­len Online-Videos von Men­schen beim Unbox­ing sieht, erlebt live die Strahlkraft ein­er Marke, die auf Per­fek­tion und Erleb­nis set­zt, vom großen Ganzen bis in die let­zte Schraube. Design macht Freude. Und das unter­schei­det Spitzenun­ternehmen von Durchschnittsfirmen.

Designkom­pe­tenz ist messbar

Design ist keine Geheimwis­senschaft. Seine Strate­gien lassen sich messen und erler­nen. Gemein­sam mit bay­ern design bietet Prof. Dr. Jan-Erik Baars mit dem Design Fit­ness Check und dem Sem­i­nar zur Designkom­pe­tenz prag­ma­tis­che Ein­blicke in ange­wandte Designkom­pe­tenz. “Das kann man gut mit dem Sport ver­gle­ichen, denn auch Unternehmen brauchen neben Tal­ent und Willen auch gute Bedin­gun­gen und Fähigkeit­en. Nur wer das Design-Ren­nrad mit einem passenden Profi-Rennstall kom­biniert und diesen opti­mal trainiert und ein­set­zt, wird auch große Ren­nen gewin­nen kön­nen. Gle­ich­wohl gilt das­selbe gilt auch  für Unternehmen und ihre inter­nen und exter­nen Design­büros.”, so der Pro­fes­sor für Design Man­age­ment an der Hochschule Luzern. “Der Design-Fit­nesstest zeigt, wie sich Brück­en schla­gen lassen zwis­chen Gestal­tung und Ver­wal­tung sowie zwis­chen Design und Man­age­ment. Design wird zum mess­baren Erfol­gs­fak­tor, weil es eben nicht bei Objek­ten und Ser­vices endet, son­dern gezielt und sys­tem­a­tisch in Unternehmen einge­bun­den wird”, erläutert Baars.

Sein Ziel als Hochschullehrer und Design­er: Design­man­age­ment in Unternehmen als Kernkom­pe­tenz zu behan­deln. Dabei geht es auch um die nüchterne Frage: Wo ist denn „Design“ im Organ­i­gramm ver­ankert? In der Mar­ketingabteilung allein stößt es an Gren­zen, erst als Quer­schnitts­funk­tion durch das ganze Unternehmen verän­dert es Entschei­dung­sprozesse. Kun­den­er­leb­nis und Inno­va­tion wer­den strate­gisch rel­e­vant, weil sie zusam­mengedacht werden.

Im Design Fit­ness Sem­i­nar der bay­ern design Acad­e­my wer­den genau diese Punk­te ver­mit­telt: „Der Kurs hat ein­drucksvoll bestätigt, wie wichtig ein durchgängiges Design für den nach­halti­gen Unternehmenser­folg ist.“, sagt Lud­wig Schlet­ter, CEO des bay­erischen Mit­tel­ständlers SL Rack. „Ein­heitliche Gestal­tung stärkt nicht nur unseren Auße­nauftritt, son­dern schafft auch intern Klarheit, Ori­en­tierung und Pro­fes­sion­al­ität. Die ver­mit­tel­ten Inhalte haben deut­lich gemacht, dass kon­sis­tentes Design weit über reine Optik hin­aus­ge­ht und ein strate­gis­ch­er Erfol­gs­fak­tor für Marken­wahrnehmung, Effizienz und langfristige Wet­tbe­werb­s­fähigkeit ist.” Der­ar­tige Design-Fit­ness entste­ht nicht über Nacht. Sie ver­langt Diszi­plin. Ein erster Schritt kann darin beste­hen, über­haupt ein­mal zu über­prüfen, wo das Unternehmen und seine Men­schen über­haupt ste­hen. Dazu dient der kosten­lose und anonyme Design Fit­ness Check, ein Online-Tool, das in nur 20 Minuten Ergeb­nisse liefert. Die Auswer­tun­gen zeigen, wie wichtig Designkom­pe­tenz heute ist. In Märk­ten, in denen Funk­tio­nen und Ange­bote sich immer mehr angle­ichen, wird sie zum entschei­den­den Wet­tbe­werb­s­fak­tor. Erfol­gre­iche Unternehmen messen nicht nur die Cus­tomer Expe­ri­ence und leit­en daraus Pro­duk­tentschei­dun­gen ab, sie haben Design­prinzip­i­en, die nicht an Per­so­n­en oder Posi­tio­nen gebun­den sind, weil sie sich durchs ganze Unternehmen ziehen. So schaf­fen sie Mehrwert.

Design in ein­er kom­plex­en Welt 

Kon­sis­tente Gestal­tung war schon immer wichtig; in Zeit­en des Umbruchs steigert sich ihre Wirkung noch: Die per­ma­nente Dis­rup­tion schafft Unsicher­heit. Design bietet Werkzeuge, diese Kom­plex­ität wieder einz­u­fan­gen. Dabei wird schnell klar, dass Design mehr kann als bunte Bilder und hüb­sche Pro­duk­te. Es fragt nach der Kohärenz von Din­gen und Aus­sagen, Pro­duk­tion­s­meth­o­d­en und Claims. Es steckt ganz tief in der DNA erfol­gre­ich­er Unternehmen. Ganz beson­ders fragt es nach den Men­schen, die über Pro­duk­te und Ser­vices mit Unternehmen in Beziehung treten: Wer sind sie, und was erleben sie? Design ver­schmilzt Funk­tion und Erleben zu ein­er untrennbaren Einheit.

Das Gute am Design Fit­ness Check: Erfolg braucht Kenn­zahlen. bay­ern design und Prof. Dr. Jan-Erik Baars liefern die in ein­er wis­senschaftlichen Arbeit ent­standene Auswertung.

Designkom­pe­tenz hat in Zukun­ft nichts mit per­sön­lichem Geschmack zu tun oder einem Bauchge­fühl, Designkom­pe­tenz ist eine Fähigkeit, die Man­age­ment und Des­ignabteilun­gen neu ver­drahtet und zu Kom­plizen macht auf dem Weg zu einem Unternehmen, das auch in Zukun­ft erfol­gre­ich ist.

Ein­drücke aus dem Design Fit­ness Sem­i­nar bei Steel­case am 14. Novem­ber 2025

Text: Dr. Oliv­er Herwig
Fotos: Lukas Barth-Tuttas