26. Februar 2026

Wie Unter­neh­men durch Design erfolg­reich werden

Über den Design Fitness Check von bayern design und Prof. Dr. Jan-Erik Baars

McK­in­sey weiß es. Apple lebt es. Und vie­le Unter­neh­men könn­ten davon pro­fi­tie­ren: Design ist ein ent­schei­den­der Erfolgs­fak­tor in einer kom­ple­xen Welt. Es ver­schlankt Pro­zes­se, ver­bes­sert Pro­duk­te und Ser­vices und ver­leiht Fir­men einen unver­wech­sel­ba­ren Auftritt.

Eigent­lich ganz ein­fach. Doch die Rea­li­tät sieht anders aus. Auch 100 Jah­re nach dem viel gerühm­ten Bau­haus wird Gestal­tung noch immer als net­ter Zusatz miss­ver­stan­den, nice to have, aber nicht ent­schei­dend. Design, das sei doch bloß etwas Far­be, ein Logo oder eine Web­site, die etwas her­macht. Das Eigent­li­che hät­ten ja ohne­hin (Software)-Ingenieurinnen und (Software)-Ingenieure erdacht. In die­ser Welt ist Design so etwas wie das Schmier­mit­tel zwi­schen Excel-Zei­len, eine Behüb­schung, die je nach Bud­get beauf­tragt oder eben gestri­chen wird. Nichts könn­te fal­scher sein, gera­de mit Blick auf Geschäftszahlen.

2018 zeig­te McK­in­sey mit sei­ner Stu­die „The busi­ness value of design“ zu 300 bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men, dass die­se mit kon­se­quen­ter Design­stra­te­gie schnel­ler wach­sen, ihre Kun­den stär­ker bin­den und daher eine höhe­re Ren­di­te erzie­len. Kon­kret stei­ger­ten sie ihren Umsatz um 32 Pro­zent und boten eine fast 56 Pro­zent höhe­re Ren­di­te im Ver­gleich zum Durch­schnitt der Bran­che. Der McK­in­sey-Design-Index (MDI) beleg­te ein­drück­lich: Design ist ein knall­har­ter Wett­be­werbs­fak­tor, und das lässt sich empi­risch bewei­sen. Denn Mar­ken­wert ist mess­bar – in Kun­den­bin­dungs­ra­ten, Net Pro­mo­ter Scores und Wie­der­kaufs­quo­ten. Wer Design wei­ter­hin für eigent­lich über­flüs­si­ge Deko­ra­ti­on hielt, hat­te sein Geschäfts­mo­dell nicht verstanden.

Design als Strategie

Durch McK­in­sey wur­de Design zwar nicht zur ange­wand­ten Betriebs­wirt­schaft, kam aber raus aus der Ecke eines unde­fi­nier­ba­ren Bauch­ge­fühls. Das eigent­lich Erstaun­li­che der Stu­die: Erfolg brach­ten nicht etwa die schöns­ten Pro­duk­te, son­dern eine kon­se­quen­te Design­stra­te­gie vom Port­fo­lio über Pro­duk­ti­on bis hin zum Manage­ment. Erfolg durch Design war dort spür­bar, wo es zu einer Hal­tung im gan­zen Unter­neh­men gewor­den war, ver­an­kert in Pro­zes­sen und vor allem in der Kul­tur des Unter­neh­mens, bis hin zur Führungskultur.

Erfolg­rei­che Ser­vices und Pro­duk­te sind nicht ein­fach nur leicht zu bedie­nen und machen Spaß, sie schaf­fen eine Erfah­rung, die wir ger­ne wie­der­ho­len. Und für die wir bereit sind, Geld aus­zu­ge­ben, weil ein Mar­ken­ver­spre­chen kon­se­quent durch­de­kli­niert wird. Erschei­nungs­bild und User Expe­ri­ence bil­den eine Ein­heit. Je rei­bungs­lo­ser das klappt, des­to grö­ßer die Leis­tung der Design­stra­te­gie dahin­ter. Kohä­renz erzeugt Ver­trau­en. Kon­sis­ten­tes Design ist so etwas wie ein Rund­um­sorg­los­pa­ket für User. Kaum ein Unter­neh­men hat das in den letz­ten Jah­ren so kon­se­quent betrie­ben wie Apple, das mit sei­nem „desi­gned in Cali­for­nia“ zum Schritt­ma­cher gan­zer Bran­chen wur­de und des­sen Wert an der Bör­se förm­lich explo­dier­te. Design ist so tief in das Wesen des Unter­neh­mens ein­ge­schrie­ben, dass Pro­duk­te von vorn­her­ein aus der Per­spek­ti­ve der Nut­zen­den gedacht und per­fek­tio­niert wer­den. Dass sie auch noch gut in der Hand lie­gen und wer­tig wir­ken, scheint fast sekun­där. Doch nicht ganz. Wer die vie­len Online-Vide­os von Men­schen beim Unboxing sieht, erlebt live die Strahl­kraft einer Mar­ke, die auf Per­fek­ti­on und Erleb­nis setzt, vom gro­ßen Gan­zen bis in die letz­te Schrau­be. Design macht Freu­de. Und das unter­schei­det Spit­zen­un­ter­neh­men von Durchschnittsfirmen.

Design­kom­pe­tenz ist messbar

Design ist kei­ne Geheim­wis­sen­schaft. Sei­ne Stra­te­gien las­sen sich mes­sen und erler­nen. Gemein­sam mit bay­ern design bie­tet Prof. Dr. Jan-Erik Baars mit dem Design Fit­ness Check und dem Semi­nar zur Design­kom­pe­tenz prag­ma­ti­sche Ein­bli­cke in ange­wand­te Design­kom­pe­tenz. „Das kann man gut mit dem Sport ver­glei­chen, denn auch Unter­neh­men brau­chen neben Talent und Wil­len auch gute Bedin­gun­gen und Fähig­kei­ten. Nur wer das Design-Renn­rad mit einem pas­sen­den Pro­fi-Renn­stall kom­bi­niert und die­sen opti­mal trai­niert und ein­setzt, wird auch gro­ße Ren­nen gewin­nen kön­nen. Gleich­wohl gilt das­sel­be gilt auch  für Unter­neh­men und ihre inter­nen und exter­nen Design­bü­ros.“, so der Pro­fes­sor für Design Manage­ment an der Hoch­schu­le Luzern. „Der Design-Fit­ness­test zeigt, wie sich Brü­cken schla­gen las­sen zwi­schen Gestal­tung und Ver­wal­tung sowie zwi­schen Design und Manage­ment. Design wird zum mess­ba­ren Erfolgs­fak­tor, weil es eben nicht bei Objek­ten und Ser­vices endet, son­dern gezielt und sys­te­ma­tisch in Unter­neh­men ein­ge­bun­den wird“, erläu­tert Baars.

Sein Ziel als Hoch­schul­leh­rer und Desi­gner: Design­ma­nage­ment in Unter­neh­men als Kern­kom­pe­tenz zu behan­deln. Dabei geht es auch um die nüch­ter­ne Fra­ge: Wo ist denn „Design“ im Orga­ni­gramm ver­an­kert? In der Mar­ke­ting­ab­tei­lung allein stößt es an Gren­zen, erst als Quer­schnitts­funk­ti­on durch das gan­ze Unter­neh­men ver­än­dert es Ent­schei­dungs­pro­zes­se. Kun­den­er­leb­nis und Inno­va­ti­on wer­den stra­te­gisch rele­vant, weil sie zusam­men­ge­dacht werden.

Im Design Fit­ness Semi­nar der bay­ern design Aca­de­my wer­den genau die­se Punk­te ver­mit­telt: „Der Kurs hat ein­drucks­voll bestä­tigt, wie wich­tig ein durch­gän­gi­ges Design für den nach­hal­ti­gen Unter­neh­mens­er­folg ist.“, sagt Lud­wig Schlet­ter, CEO des baye­ri­schen Mit­tel­ständ­lers SL Rack. „Ein­heit­li­che Gestal­tung stärkt nicht nur unse­ren Außen­auf­tritt, son­dern schafft auch intern Klar­heit, Ori­en­tie­rung und Pro­fes­sio­na­li­tät. Die ver­mit­tel­ten Inhal­te haben deut­lich gemacht, dass kon­sis­ten­tes Design weit über rei­ne Optik hin­aus­geht und ein stra­te­gi­scher Erfolgs­fak­tor für Mar­ken­wahr­neh­mung, Effi­zi­enz und lang­fris­ti­ge Wett­be­werbs­fä­hig­keit ist.“ Der­ar­ti­ge Design-Fit­ness ent­steht nicht über Nacht. Sie ver­langt Dis­zi­plin. Ein ers­ter Schritt kann dar­in bestehen, über­haupt ein­mal zu über­prü­fen, wo das Unter­neh­men und sei­ne Men­schen über­haupt ste­hen. Dazu dient der kos­ten­lo­se und anony­me Design Fit­ness Check, ein Online-Tool, das in nur 20 Minu­ten Ergeb­nis­se lie­fert. Die Aus­wer­tun­gen zei­gen, wie wich­tig Design­kom­pe­tenz heu­te ist. In Märk­ten, in denen Funk­tio­nen und Ange­bo­te sich immer mehr anglei­chen, wird sie zum ent­schei­den­den Wett­be­werbs­fak­tor. Erfolg­rei­che Unter­neh­men mes­sen nicht nur die Cus­to­mer Expe­ri­ence und lei­ten dar­aus Pro­dukt­ent­schei­dun­gen ab, sie haben Design­prin­zi­pi­en, die nicht an Per­so­nen oder Posi­tio­nen gebun­den sind, weil sie sich durchs gan­ze Unter­neh­men zie­hen. So schaf­fen sie Mehrwert.

Design in einer kom­ple­xen Welt 

Kon­sis­ten­te Gestal­tung war schon immer wich­tig; in Zei­ten des Umbruchs stei­gert sich ihre Wir­kung noch: Die per­ma­nen­te Dis­rup­ti­on schafft Unsi­cher­heit. Design bie­tet Werk­zeu­ge, die­se Kom­ple­xi­tät wie­der ein­zu­fan­gen. Dabei wird schnell klar, dass Design mehr kann als bun­te Bil­der und hüb­sche Pro­duk­te. Es fragt nach der Kohä­renz von Din­gen und Aus­sa­gen, Pro­duk­ti­ons­me­tho­den und Claims. Es steckt ganz tief in der DNA erfolg­rei­cher Unter­neh­men. Ganz beson­ders fragt es nach den Men­schen, die über Pro­duk­te und Ser­vices mit Unter­neh­men in Bezie­hung tre­ten: Wer sind sie, und was erle­ben sie? Design ver­schmilzt Funk­ti­on und Erle­ben zu einer untrenn­ba­ren Einheit.

Das Gute am Design Fit­ness Check: Erfolg braucht Kenn­zah­len. bay­ern design und Prof. Dr. Jan-Erik Baars lie­fern die in einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit ent­stan­de­ne Auswertung.

Design­kom­pe­tenz hat in Zukunft nichts mit per­sön­li­chem Geschmack zu tun oder einem Bauch­ge­fühl, Design­kom­pe­tenz ist eine Fähig­keit, die Manage­ment und Desi­gn­ab­tei­lun­gen neu ver­drah­tet und zu Kom­pli­zen macht auf dem Weg zu einem Unter­neh­men, das auch in Zukunft erfolg­reich ist.

Ein­drü­cke aus dem Design Fit­ness Semi­nar bei Steel­ca­se am 14. Novem­ber 2025

Text: Dr. Oli­ver Herwig
Fotos: Lukas Barth-Tuttas