5. März 2026

Wie Design und Hand­werk sich gegen­sei­tig stärken

Beitrag von Sonja Pham

Kopf, Hand, Herz: die­se schlich­te For­mel beschreibt einen Pro­zess, der so alt ist wie das Gestal­ten selbst. Sie ver­bin­det kon­zep­tio­nel­les Den­ken mit mate­ri­el­lem Kön­nen. Stra­te­gi­sche Pla­nung mit hap­ti­scher Erfah­rung. Ana­ly­ti­sche Prä­zi­si­on mit emo­tio­na­ler Reso­nanz. In die­ser Ver­bin­dung liegt ein Poten­zi­al, das weit über ästhe­ti­sche Fra­gen hin­aus­reicht. Es geht um nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­ons­wei­sen, um die Wei­ter­ent­wick­lung kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät, um die Demo­kra­ti­sie­rung von Gestal­tung und um neue For­men der Wertschöpfung. 

Ein kur­zer Exkurs von Arts & Crafts zum New Craft Movement 

Die Bezie­hung zwi­schen Design und Hand­werk war nie line­ar. Als Wil­liam Mor­ris Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die Arts-and-Crafts-Bewe­gung initi­ier­te, geschah dies aus Pro­test gegen die Indus­tria­li­sie­rung. Mor­ris‘ Cre­do – »Have not­hing in your hou­ses that you do not know to be useful or belie­ve to be beau­tiful« – rich­te­te sich gegen den Ver­lust künst­le­ri­scher Qua­li­tät in der Her­stel­lung. Sein Ansatz war radi­kal: Die Tren­nung von Kopf und Hand, die die Indus­tria­li­sie­rung for­ciert hat­te, soll­te auf­ge­ho­ben werden.

Doch die Arts-and-Crafts-Bewe­gung schei­ter­te an ihrem eige­nen Anspruch. Die auf­wän­di­ge Hand­ar­beit mach­te die Pro­duk­te so teu­er, dass sich nur eine wohl­ha­ben­de Eli­te sie leis­ten konn­te – genau jene Schicht, die Mor­ris eigent­lich nicht bedie­nen woll­te. Eigent­lich eine Iro­nie in sich selbst: Der Pro­test gegen die indus­tri­el­le Mas­sen­pro­duk­ti­on führ­te zu eli­tä­ren Luxus­gü­tern. Anders der Deut­sche Werk­bund, gegrün­det 1907. Er such­te einen prag­ma­ti­sche­ren Weg; Her­mann Muthe­si­us und Peter Beh­rens erkann­ten, dass die Maschi­ne nicht der Feind des guten Designs ist, son­dern ein Werk­zeug, das – frei­lich rich­tig ein­ge­setzt! – Qua­li­tät demo­kra­ti­sie­ren kann. Sie streb­ten eine »Ver­ed­lung der gewerb­li­chen Arbeit« durch die Zusam­men­ar­beit von Kunst, Indus­trie und Hand­werk an. Die­se Denk­schu­le mün­de­te schließ­lich ins Bau­haus, des­sen Päd­ago­gik ver­ein­te kon­zep­tio­nel­les Den­ken mit prak­ti­schem Kön­nen. In den Werk­stät­ten lern­ten Stu­die­ren­de Metall­be­ar­bei­tung, Webe­rei, Tisch­le­rei als Grund­la­ge für Gestal­tung. »Nicht das Pro­dukt, son­dern der Mensch ist das Ziel«, so for­mu­lier­te es László Moho­ly-Nagy, der als Leh­rer dort tätig war.

Die­se Idee erlebt heu­te eine Renais­sance – aller­dings unter ver­än­der­ten Vor­zei­chen. Das New Craft Move­ment ver­bin­det tra­di­tio­nel­le Tech­ni­ken mit digi­ta­len Werk­zeu­gen. Aber auch öko­lo­gi­sches Bewusst­sein mit par­ti­zi­pa­ti­ven Ansät­zen. Hoch­schu­len und Maker­spaces ermög­li­chen eine neue Form der Zusammenarbeit.

Der Kopf:
Stra­te­gi­sches Den­ken und Materialintelligenz 

Der Sozio­lo­ge Richard Sen­nett beschreibt in sei­nem Buch »The Craft­sman« (2008) die­se Ver­bin­dung von Kopf und Hand als grund­le­gen­de mensch­li­che Fähig­keit. Sen­nett zufol­ge ist »making thin­king« – das Machen ist eine Form des Den­kens. Wer mit den Hän­den arbei­tet, ent­wi­ckelt ein impli­zi­tes Wis­sen, das sich nicht voll­stän­dig ver­ba­li­sie­ren lässt. Die­ses »tacit know­ledge« ist für Inno­va­ti­on eben­so wich­tig wie kodi­fi­zier­ba­res Wis­sen. Der Pro­zess beginnt natür­lich im Kopf – mit Fra­gen, Ana­ly­se, stra­te­gi­schem Den­ken. Design bringt Metho­den ins Hand­werk, die über die rei­ne Fer­ti­gung hin­aus­ge­hen: Design Thin­king, User Rese­arch, neue Per­spek­ti­ven. Es geht dar­um, Bedürf­nis­se zu ver­ste­hen, bevor Lösun­gen ent­wi­ckelt wer­den. Pro­ble­me zu defi­nie­ren, bevor Pro­duk­te ent­ste­hen. Sich Zukünf­te aus­zu­ma­len, bevor sie gebaut werden.

Ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel ist die Arbeit von Simon Vor­ham­mer mit form­feld. Der Archi­tekt und Com­pu­ta­tio­nal Desi­gner ent­wi­ckelt Algo­rith­men, die ein­zig­ar­ti­ge drei­di­men­sio­na­le Holz­ober­flä­chen gene­rie­ren – jede so indi­vi­du­ell wie ein Fin­ger­ab­druck. Die­se wer­den per CNC gefer­tigt und von der Schrei­ne­rei Ober­mai­er hand­werk­lich aus­ge­führt. Was hier geschieht, ist mehr als Addi­ti­on. Es ist Inte­gra­ti­on. Der Algo­rith­mus ver­steht die Eigen­schaf­ten des Hol­zes. Er nutzt die Mög­lich­kei­ten der CNC-Tech­nik. Er berück­sich­tigt die Anfor­de­run­gen der Akus­tik. Die Schreiner:innen wie­der­um brin­gen ihr Mate­ri­al­wis­sen ein, etwa zu Holzverbindungen.

Ähn­lich arbei­tet die Ber­li­ner Desi­gne­rin und Mate­ri­al­for­sche­rin Mareen Bau­meis­ter im Pro­jekt FLOCK. Sie erforscht das unge­nutz­te Poten­zi­al euro­päi­scher Schaf­wol­len, die ton­nen­wei­se ent­sorgt wer­den, weil sie für Klei­dung zu grob sind. Bau­meis­ter ent­wi­ckel­te ein robo­ti­sches Werk­zeug, das drei­di­men­sio­na­le Filz­struk­tu­ren mit gezielt unter­schied­li­chen Här­te­gra­den erzeugt – mono­ma­te­ri­ell und kreis­lauf­fä­hig. Hier lei­tet nicht die Desi­gne­rin das Mate­ri­al, son­dern die Mate­ri­al­in­tel­li­genz lei­tet das Design. Bau­meis­ter erforscht, was das Mate­ri­al kann, wo sei­ne Gren­zen lie­gen, wel­che neu­en Anwen­dun­gen mög­lich werden.

Die­se Form des Den­kens – zir­ku­lär, mate­ri­al­be­wusst, sys­te­misch – prägt zuneh­mend die Zusam­men­ar­beit von Design und Hand­werk. An der TU Mün­chen School of Engi­nee­ring and Design unter­su­chen Stu­die­ren­de im Pro­jekt Hem­p­Lands, wie Nutz­hanf als kreis­lauf­fä­hi­ges Bau­ma­te­ri­al ein­ge­setzt wer­den kann. Die For­schung ver­bin­det Feld­ar­beit mit Labor­ex­pe­ri­men­ten. Ihr Pro­zess zeigt: Auch Mate­ri­alin­no­va­ti­on beginnt mit den Hän­den, mit Expe­ri­men­tie­ren, Anfas­sen, Ausprobieren.

Ein aktu­el­ler Trend ver­deut­licht die­se Erkennt­nis: die wach­sen­de Zahl von Design-Hand­werk-Resi­den­ci­es, 300 Bewer­bun­gen aus 60 Län­dern ver­zeich­ne­te etwa das »Desi­gners in Resi­dence Pro­gramm« 2026 in Pforz­heim. Aus den euro­pa­wei­ten Zusam­men­ar­bei­ten sol­len vor allem Pro­zes­se des gegen­sei­ti­gen Ler­nens hervorgehen.

Flock: Aus ungenutzter Schafwolle wird ein kreislauffähiger Hocker. Ein robotisches Werkzeug formt dreidimensionale Strukturen – rein mechanisch, monomateriell. Abbildung: Mareen Baumeister
Formfeld: Algorithmen erzeugen einzigartige Holzoberflächen – jede wie ein Fingerabdruck. Mathematische Präzision trifft auf traditionelles Schreinerhandwerk. Abbildung: Simon Vorhammer

Die Hand:
Pro­to­ty­pen, Expe­ri­men­te, greif­ba­re Erfahrung 

Auch in hoch­tech­no­lo­gi­schen Berei­chen beginnt Prä­zi­si­on mit Hap­tik. Ein BMW Design Mode­ling Work­shop an der Berufs­fach­schu­le für Pro­dukt­de­sign Selb zeigt, wie hän­di­sche und digi­ta­le Pro­zes­se inein­an­der­grei­fen. Schü­ler wie Dari­us Buli­cke for­men Exte­ri­eur-Kon­zep­te zunächst in soge­nann­tem Clay, einem ölba­sier­ten Ton. Phy­si­sche Model­le wer­den foto­gra­fiert, digi­tal wei­ter­ent­wi­ckelt und schließ­lich foto­rea­lis­tisch visua­li­siert. War­um die­ser Umweg über das Phy­si­sche? Weil das Model­lie­ren mit Clay eine Form des Den­kens ermög­licht, die am Bild­schirm nicht mög­lich ist. Die Hän­de »ver­ste­hen« Über­gän­ge und Span­nun­gen anders als die Augen. Das ist beson­ders in Berei­chen rele­vant, die tie­fe Kennt­nis der Sta­tik oder Pro­por­tio­nen erfor­dern, etwa in der Archi­tek­tur. Ren­zo Pia­no, einer der bedeu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Archi­tek­ten, erklärt sei­nen Arbeits­ab­lauf so: »You start by sket­ching, then you do a dra­wing, then you make a model, and then you go to rea­li­ty – you go to the site – and then you go back to dra­wing. You build up a kind of cir­cu­la­ri­ty bet­ween dra­wing and making and then back again.«

Die­se Zir­ku­la­ri­tät ist cha­rak­te­ris­tisch für die pro­duk­ti­ve Span­nung zwi­schen Design und Hand­werk. Der Kopf allein kann kei­ne Form erfin­den, die Hand allein kann kei­ne Inno­va­ti­on gene­rie­ren. Die japa­ni­sche Raku-Tech­nik, die KARAK in Vor­arl­berg anwen­det, zeigt die­se Dyna­mik. Jede Kera­mik­flie­se wird bei 900 Grad gebrannt, glü­hend aus dem Ofen genom­men, in Säge­mehl gelegt und dann in kal­tem Was­ser abge­schreckt. Die extre­men Ele­men­tar­kräf­te – Feu­er, Luft, Was­ser, Erde – prä­gen jede Ober­flä­che anders. Was hier geschieht, ist nicht plan­bar. Der Hand­wer­ker steu­ert den Pro­zess, kon­trol­liert ihn jedoch nicht voll­stän­dig. Er arbei­tet mit dem Mate­ri­al, nicht gegen es. Die­se Form der Qua­li­täts­kon­trol­le – sinn­lich, erfah­rungs­ba­siert, nicht voll­stän­dig ratio­na­li­sier­bar – wird in einer zuneh­mend digi­ta­li­sier­ten Pro­duk­ti­ons­welt wie­der wich­ti­ger. Der Grund: Maschi­nen kön­nen prä­zi­se repli­zie­ren, aber nicht impro­vi­sie­ren. Sie kön­nen Abwei­chun­gen ver­mei­den, aber nicht pro­duk­tiv nut­zen. Der Hand­wer­ker hin­ge­gen freut sich über die Spur, die der Pro­zess hinterlässt.

Die Maker-Bewe­gung hat die­se Hal­tung demo­kra­ti­siert. In Fab­La­bs wie dem Hap­py­lab Wien oder dem Fab­Lab Mün­chen kön­nen Men­schen ohne eige­ne Werk­statt Zugang zu pro­fes­sio­nel­len Maschi­nen erhal­ten. Aber 3D-Dru­cker, Laser­cut­ter und CNC-Frä­sen sind nur Mit­tel zum Zweck. Ent­schei­dend ist die Kul­tur des Tei­lens – von Werk­zeu­gen, Wis­sen, Feh­lern. Der Schmuck­de­si­gner, der Ski­bau­er, die Elek­tro­ni­ke­rin ler­nen von­ein­an­der, weil sie im sel­ben Raum arbei­ten. Co-Craf­ting-Spaces wie das Munich Urban Colab gehen noch einen Schritt wei­ter. Sie ver­knüp­fen loka­le Manu­fak­tu­ren mit Pro­to­ty­p­ing-Teams. Oder Inge­nieu­re und Desi­gne­rin­nen. Die räum­li­che Nähe för­dert infor­mel­les Ler­nen. Sie för­dert Inspi­ra­ti­on und Kol­la­bo­ra­ti­on. Und sie macht deut­lich: Hand­werk ist nicht das Gegen­teil von Inno­va­ti­on, son­dern oft deren Voraussetzung.

innoLith: Die Möglichkeiten biobasierter Materialien – TUM-Studierende erforschen, wie aus Hanf, Kalkpulver, Bausand und Gelatine per Hand gepresste Blöcke zum Bauen entstehen. Abbildung: Anton Scherer & Jonathan Wahl
KARAK: Jede Keramikfliese ein Unikat: 30-mal in die Hand genommen, bei 900 Grad gebrannt, in Sägemehl gelegt – die japanische Raku-Technik aus Vorarlberg. Abbildung: KARAK

Das Herz:
Wir­kung und kul­tu­rel­le Verankerung

Design und Hand­werk erzäh­len immer auch Geschich­ten. Sie schaf­fen emo­tio­na­le Berüh­rungs­punk­te. Das Herz ver­leiht dem Gan­zen sei­ne Reso­nanz. Der Tritt­ho­cker AEKI von AUER­BERG zeigt die­se Dimen­si­on: Desi­gner und Foto­graf Ger­hardt Kel­ler­mann, der gemein­sam mit sei­ner Part­ne­rin Anna Rel­vão RELVÃOKEL­LER­MANN grün­de­te, ließ sich vom IKEA-Hocker BEK­VÄM inspi­rie­ren. Oft ist es umge­kehrt der Fall – er arbei­te­te mit dem expli­zi­ten Vor­satz, es bes­ser zu machen. Die vier Bei­ne tref­fen gewin­kelt auf die Plat­ten und sor­gen zugleich für skulp­tu­ra­le Form und Sta­bi­li­tät. Gefer­tigt wird AEKI in Ober­bay­ern aus PEFC-zer­ti­fi­zier­tem Eichen­holz. Die sicht­bar beton­ten Holz­ver­bin­dun­gen sind kraft­schlüs­sig kon­stru­iert und zeu­gen von Freu­de an der Form.

Mit ähn­li­cher Pas­si­on für höchs­te Qua­li­tät arbei­te­te STU­DIO­FAU­BEL an der Tisch­leuch­te Colo, für die die Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur Nym­phen­burg einen hauch­dün­nen Leuch­ten­schirm fer­tig­te – eine Her­aus­for­de­rung selbst für ihre Meister:innen, obschon man seit 1747 die Kunst der Por­zel­lan­her­stel­lung pflegt. Die Kris­tall­glas­ma­nu­fak­tur The­re­si­en­thal aus Nie­der­bay­ern lie­fer­te den mund­ge­bla­se­nen, far­bi­gen Glas­fuß. Die Desi­gner Gre­gor Fau­bel und Julia Romeiß ran­gen mit den Hand­wer­kern um jeden Mil­li­me­ter Wand­stär­ke. Nicht (nur) aus ästhe­ti­schen Grün­den, son­dern um maxi­ma­les Licht zu ermög­li­chen. Ein schö­nes Bei­spiel also für einen funk­tio­nie­ren­den Design­dia­log, näm­lich als Aus­hand­lung zwi­schen unter­schied­li­chen Exper­ti­sen. Die Manu­fak­tur brach­te jahr­hun­der­te­al­tes Wis­sen ein, die Desi­gner machen die­ses durch zeit­ge­nös­si­sche Form­spra­che erleb­bar. Das Ergeb­nis ist eine Syn­the­se, die nur durch den Respekt vor der jewei­li­gen Exper­ti­se mög­lich wurde.

Tra­di­ti­on wei­ter­zu­den­ken bedeu­tet nicht, sie zu kon­ser­vie­ren, son­dern sie pro­duk­tiv zu trans­for­mie­ren. Die Schau­keln von Hut­schn aus dem Berch­tes­ga­de­ner Land zei­gen, wie das geht. Andre­as und Mat­thi­as Bun­sen sowie Andre­as Bau­mann fer­ti­gen sie aus mas­si­vem Eichen­holz. 15 hand­werk­li­che Arbeits­schrit­te, gespleiß­te Sei­le statt Kno­ten, ergo­no­mi­sche Bie­gung statt Dampf­be­hand­lung. Das Her­zens­pro­jekt ist mitt­ler­wei­le ent­lang des euro­päi­schen Schau­kel­wan­der­wegs in den Alpen zu erle­ben und zeigt: Hand­werk­li­che Pro­duk­te kön­nen mehr sein als Funk­ti­ons­ge­gen­stän­de, sie erzäh­len Geschich­ten über die Men­schen, die sie gemacht haben, über die Orte, aus denen sie stammen.

COLO. Hauchdünnes Porzellan aus Nymphenburg trifft mundgeblasenes Glas von Theresienthal. Wenn Licht den Glasfuß durchströmt, leuchtet der Schirmsaum farbig. Abbildung: Porzellan Manufaktur Nymphenburg
AEKI: Tritthocker, Nachttisch, Beistelltisch zugleich. Gewinkelte Beine sorgen für skulpturale Form. Gefertigt in Oberbayern – ein Möbel fürs Leben. Abbildung: AUERBERG

Zukunfts­fä­hig durch Zusammenarbeit

Die frucht­bars­ten Kol­la­bo­ra­tio­nen zwi­schen Design und Hand­werk sind folg­lich jene, in denen alle drei Ebe­nen – Kopf, Hand, Herz – inte­griert sind. Ein Bei­spiel ist das Pro­jekt MADE IN – Plat­form for Con­tem­po­ra­ry Crafts & Design, das euro­pa­weit Designer:innen und Handwerker:innen in Resi­den­ci­es zusam­men­bringt, um die Gren­zen tra­di­tio­nel­ler Tech­ni­ken für das 21. Jahr­hun­dert neu zu defi­nie­ren und Lern­pro­zes­se zu för­dern. Auch unse­re Aus­stel­lung »Kopf, Hand, Herz – Design trifft Hand­werk« zeigt das impli­zi­te Wis­sen, wel­ches in hand­werk­li­chen Tech­ni­ken steckt – als Aus­gangs­punkt für Inno­va­ti­on und Freu­de an der Gestal­tung: Wenn sich Hand­werk expli­zit mit dem Design­feld ver­bin­det, geht es um Sorg­falt, Nach­hal­tig­keit und Wir­kung, um die Ver­bin­dung bewähr­ter Metho­den mit inno­va­ti­ven Ideen zu Mate­ria­li­en, Tech­ni­ken und Design.

Die Trend­map Hand­werk 2025, ent­wi­ckelt vom Trend­for­scher Peter Wip­per­mann, iden­ti­fi­zier­te schon 2020 vier gro­ße Ent­wick­lungs­fel­der: Auto­ma­ti­on, Enga­ge­ment, Mar­ke­ting und Net­wor­king. Alle vier beinhal­ten Design-Aspek­te; Auto­ma­ti­on bedeu­tet nicht den Ersatz von Hand­ar­beit, son­dern die intel­li­gen­te Ergän­zung durch digi­ta­le Werk­zeu­ge. Enga­ge­ment meint die emo­tio­na­le Bin­dung, die durch gute Gestal­tung ent­steht. Mar­ke­ting ist die stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on hand­werk­li­cher Qua­li­tät. Und Net­wor­king sind die neu­en For­men der Zusam­men­ar­beit – zwi­schen Hand­werk, Design, Wis­sen­schaft. Dar­in lie­gen gro­ße Poten­zia­le: Gemein­sam ent­ste­hen Pro­duk­te, die nach­hal­tig sind. Nicht nur öko­lo­gisch, son­dern auch sozi­al und kul­tu­rell. Pro­duk­te, die repa­riert wer­den kön­nen, weil sie ent­spre­chend gefer­tigt sind, die inno­va­tiv sind, weil sie neue Tech­no­lo­gien mit altem Kön­nen ver­bin­den. Die Kern­fra­ge ist also: Wie schaf­fen wir Räu­me, in denen unter­schied­li­che Exper­ti­sen der Gestal­tung pro­duk­tiv zusammenkommen?

Über die Autorin:

Son­ja Pham

Son­ja Pham (*1987 im All­gäu) ist freie Jour­na­lis­tin, Autorin und Über­set­ze­rin mit Schwer­punkt auf Krea­ti­vi­tät, Kul­tur und Kuli­na­rik. Seit ihrem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign­stu­di­um an der Design­schu­le Mün­chen arbei­tet sie frei­be­ruf­lich für diver­se Maga­zi­ne und Agen­tu­ren. Für die Fach­zeit­schrift novum World of Gra­phic Design war sie als stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teu­rin tätig, bevor sie nach deren Ein­stel­lung gemein­sam mit ihrem Team das Gra­fik­ma­ga­zin und den Phoe­nix Ver­lag für Gra­fik­de­sign grün­de­te. Seit 2023 ist sie Vor­stand für Edi­to­ri­al im Art Direc­tors Club für Deutsch­land. Zudem ist sie regel­mä­ßig als Mode­ra­to­rin, Spea­ke­rin und Host im Design- und Kul­tur­be­reich sowie in der Gas­tro­no­mie tätig.