Ist Hamburg eigentlich eine Modestadt? Denkt man zurück, landet man schnell bei Handel, dem Hafen und Kontorhäusern wie dem »Zweiten Klöpperhaus«, früher ansässig Mönckebergstraße 3, in dem Tuch gehandelt wurde. Und bei Jil Sander und Karl Lagerfeld – geht doch! Mit dem Begriff der Nachfrage kann Hamburg durchaus umgehen, doch wird die Stadt maximal im Bereich Ausbildung wirklich mit dem deutschen Business of Fashion verbunden: So bieten HAW, M. Müller & Sohn und AMD Studiengänge und Kurse an, daneben auch mit großem Anwendungsbezug wie an der Macromedia oder der Akademie JAK.
Und genau hier, wo noch so viel Hafenluft nach oben ist, setzt ein neues Großprojekt der Hamburg Kreativ Gesellschaft an. Als Prototyp des Programms »Verborgene Potenziale Innenstadt« der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen – ein Leuchtturmprojekt zur Förderung von der lokalen Community und urbaner Kreativität – wird das FABRIC bisher durch öffentliche Gelder gefördert. Die erste Förderperiode wurde durch das Bundesinstitut für Bau‑, Stadt- und Raumforschung ermöglicht, dann folgte weitere Starthilfe durch die Behörden für Stadtentwicklung und Wohnen, Kultur und Medien, Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft.
Durch die Stadt ermöglicht und von Branchenprofis ins Leben gerufen, feierte der besondere Space in der Galleria Passage in der Nähe des Rathauses im Mai 2025 seinen ersten Geburtstag. Das FABRIC versteht sich als interdisziplinäres Netzwerk und gemeinsame Plattform für die Kreativwirtschaft. Das Konzept ist auf die Bereiche Mode, Textil und Design ausgerichtet und bietet mit Memberships für Kreative, Kunstschaffende und Unternehmen die perfekte Infrastruktur für nachhaltigen Austausch und gemeinsame Projekte.
Außerdem dient das FABRIC als Wissenszentrum und Showcase für die vielfältigen kreativen Potenziale der Stadt – und als kreativer Arbeitsraum: Die Werkstatt im Untergeschoss ist mit derzeit 42 professionellen Fertigungsmaschinen ausgestattet, vom Textil-Direktdrucker bis hin zur High-End-Stickmaschine. Eine offene Coworking- und Eventfläche samt Fotostudio im Unter- und Obergeschoss laden zur Zusammenarbeit ein, Shop und ein Café mit Terrasse verknüpfen das FABRIC mit den Passant:innen in der Innenstadt.
Im FABRIC treffen nicht nur Menschen, sondern auch Ideen und Konzepte für nachhaltigeres Modedesign und Produktionswege aufeinander. Die Kreativ Gesellschaft erforscht dabei, wie urbane Produktion klassisches Handwerk und innovative Fertigungstechniken aus Industriezentren wieder in Arbeits- und Lebensräume zurückbringt. Erklärtes Ziel ist es, leere Flächen zu beleben, die lokale Wirtschaft zu stärken und kurze Wege für Designer:innen, Produktion und Verbraucher:innen zu schaffen.
Im FABRIC sind deshalb Upcycling-Disziplinen verschiedenster Couleur zu finden, alle Design- und Showprojekte werden direkt vor Ort umgesetzt. Ninu Dramis, verantwortlich für die konzeptionelle und inhaltliche Umsetzung vom Projekt, ist ausgebildete Mode- und Kommunikationsdesignerin und auf das Prompten von Fashion spezialisiert. Oder Memberin Katja Ellwart, die aus alten Herrenhemden, die sie aus Reinigungen erhält, verschiedenste neue Schnitte und Patchwork-Designs ohne den Zukauf von Stoffen herstellt.
Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft
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