9. Juli 2025

Spaces of Mobi­li­ty III: Digital

Recap: Der Mensch im Mittelpunkt 

Wo ist Mobi­li­tät eigent­lich digital?

Beim Suchen nach dem nächs­ten Car­sha­ring-Fahr­zeug zum Bei­spiel oder beim ver­zwei­fel­ten Ver­such, nach der Fahrt im geshar­ten Wagen einen Park­platz zu fin­den. Oder wenn man fest­stellt, dass die Bahn­Card nur noch digi­tal exis­tiert und die hap­ti­sche Kar­te mitt­ler­wei­le Ver­gan­gen­heit ist. Mobi­li­tät ist längst Teil unse­rer digi­ta­len Sys­te­me gewor­den und soll sich rei­bungs­los in unse­ren All­tag ein­fü­gen. Doch es geht nicht nur um tech­ni­sche Funk­tio­na­li­tät: Auch die Nut­zer­er­fah­rung muss stim­men, Ver­trau­en muss auf­ge­baut wer­den – etwa beim auto­no­men Fah­ren. Dabei spielt gera­de das Design eine zen­tra­le Rol­le. Es steht oft am Anfang kom­ple­xer Ent­wick­lun­gen und kann ent­schei­dend beein­flus­sen, wie Inno­va­tio­nen an den Schnitt­stel­len von Mensch und Tech­nik ent­ste­hen. Unse­re letz­te Ver­an­stal­tung in unse­rer drei­tei­li­gen Rei­he „Spaces of Mobi­li­ty“ am 3.7. kon­zen­trier­te sich daher auf die digi­ta­len Dimen­sio­nen von Mobilität.

Mit dabei waren: Flo­ri­an Dusch von zig­zag, einer Digi­ta­l­agen­tur, die nicht nur für Auto­her­stel­ler wie BMW oder VW arbei­tet, son­dern auch gro­ße Pro­jek­te im Bereich des ÖPNV rea­li­siert. Domi­ni­que Masso­nié vom Pre­mi­um Elek­tro­her­stel­ler NIO berich­tet über Chan­cen von KI-Sprach­as­sis­ten­ten im Fahr­zeug. Prof. Dr. Johan­na Pir­ker von der TU Mün­chen ist Infor­ma­ti­ke­rin mit Fokus auf Spie­le­ent­wick­lung, For­schung und Bil­dung und zeigt auf, wie der Mobi­li­täts­be­reich von der Gam­ing-Indus­trie ler­nen kann.

Personen auf dem Podium
Nadine Vicentini und Tim Kastenhuber (Bayern Innovativ) eröffnen die Veranstaltung. Foto: bayern design/Maria Bayer
Gruppenbild von einer Veranstaltung.
Gäste und Gastgeber von Spaces of Mobility III: Digital. Foto: bayern design/Maria Bayer

User Expe­ri­ence macht ÖPNV attraktiv

Fast jeder von uns hat­te schon ein­mal Kon­takt mit den Pro­duk­ten, die zig­zag ent­wor­fen hat – man den­ke allein an den DB Navi­ga­tor. In sei­nem Impuls ging Desi­gner Flo­ri­an Dusch der Fra­ge nach, wie man durch Gestal­tung den ÖPNV attrak­ti­ver machen kann, so dass die Mobi­li­täts­wen­de gelingt, denn trotz poli­ti­scher Zie­le ist das Auto wei­ter­hin Haupt­ver­kehrs­mit­tel. Pro­ble­me im ÖPNV wie kom­pli­zier­ter Ticket­kauf, man­geln­de Plan­bar­keit und Bar­rie­re­frei­heit ste­hen der Akzep­tanz noch oft im Weg. Sei­ne Devi­se lau­tet: Rei­sen im ÖPNV muss ein­fach sein. Gute Gestal­tung machts mög­lich – durch ver­ständ­li­che und per­so­na­li­sier­te Apps, naht­lo­se Rei­se­ket­ten, kla­re Infor­ma­tio­nen und posi­ti­ve emo­tio­na­le Anspra­che. Damit wird auch das Image des ÖPNV auf­ge­wer­tet. Fazit: UX-Design ist kein All­heil­mit­tel für den ÖPNV, kann aber Ver­trau­en, Effi­zi­enz und Attrak­ti­vi­tät im Mobi­li­täts­sek­tor ent­schei­dend stärken.

Das Auto als digi­ta­ler Freund

Domi­ni­que Masso­nié ist Lei­ter der Soft­ware-Inter­na­tio­na­li­sie­rung beim chi­ne­si­schen Auto­bau­er NIO. Masso­nié beschrieb, wie KI-Sprach­as­sis­ten­ten im Auto die Nut­zer­inter­ak­ti­on grund­le­gend ver­än­dern. Die Sprach­steue­rung wird zur zen­tra­len Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch und Fahr­zeug und das nicht nur wäh­rend der Fahrt, son­dern auch im Still­stand. Rund 30 % der Sprach­in­ter­ak­tio­nen mit dem Auto fin­den statt, wenn das Fahr­zeug geparkt ist. Nut­zer ver­wen­den Sprach­as­sis­ten­ten zuneh­mend wie einen digi­ta­len Freund wie etwa zum Musik­hö­ren, für Karao­ke oder sogar zum Ent­span­nen. Die­se neue Form der Inter­ak­ti­on hat auch Aus­wir­kun­gen auf das Design des Innen­raums, der stär­ker als per­so­na­li­sier­ter, wohn­li­cher Erleb­nis­raum ver­stan­den wird. Klar ist, dass künf­tig User Expe­ri­ence im Fahr­zeug­bau anders gedacht als bis­her wer­den muss.

Vom Gam­ing für Mobi­li­täts­the­men lernen 

Im drit­ten Vor­trag zeig­te Prof. Dr. Johan­na Pri­ker auf, wie man Metho­den aus dem Gam­ing auch auf Her­aus­for­de­run­gen der Mobi­li­tät über­tra­gen kann. Und das hat sei­nen Grund: Der Gam­ing-Sek­tor gehört zu den umsatz­stärks­ten Indus­trien über­haupt und treibt mit die­sen Mög­lich­kei­ten tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen vor­an. So eröff­nen zum Bei­spiel Game-Tech­no­lo­gien wie Unity oder Unre­al Engi­ne neue Wege in der Mobi­li­täts­pla­nung. Mit ihnen las­sen sich digi­ta­le Zwil­lin­ge von Städ­ten oder Infra­struk­tu­ren erstel­len, um Ver­kehrs­flüs­se, Son­nen­stän­de oder Ener­gie­ver­brauch rea­lis­tisch zu simu­lie­ren. Auch in der Auto­mo­bil­in­dus­trie fin­den sie Anwen­dung, etwa für Fahr­si­mu­la­tio­nen oder Pro­dukt­ent­wick­lung. Sol­che Tools machen kom­ple­xe Mobi­li­täts­the­men anschau­lich, för­dern Bür­ger­be­tei­li­gung und erleich­tern zukunfts­wei­sen­de Ver­kehrs- und Stadtplanung.

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Weitere Informationen

Die Zukunft der Mobi­li­tät ist digital

UX-Design und die Begeis­te­rung der Nutzer:innen sind wich­tig – aber erst dann wirk­sam, wenn sie auf einer inklu­si­ven, gut ver­netz­ten und funk­tio­nie­ren­den Mobi­li­täts-Infra­struk­tur auf­bau­en. Und die­se zeich­net sich vor allem dadurch aus, dass digi­ta­le Ange­bo­te inklu­siv und bar­rie­re­frei sind. Sie müs­sen leicht ver­ständ­lich, intui­tiv bedien­bar und für alle zugäng­lich, unab­hän­gig von Alter oder Fähig­kei­ten. Außer­dem muss künf­tig zusam­men­ge­spielt wer­den: Statt ein­zel­ner Insel­lö­sun­gen braucht es ver­netz­te Sys­te­me mit offe­nen Schnitt­stel­len, damit alle Ver­kehrs­mit­tel naht­los ineinandergreifen.

Unse­re Gäs­te auf dem Podium

Portrait von Florian Dusch.
Flo­ri­an Dusch

Flo­ri­an Dusch ist Part­ner und Grün­der von zig­zag, einem renom­mier­ten Design- und Tech­no­lo­gie-Stu­dio mit Stand­or­ten in Stutt­gart und Ber­lin. Mit über 20 Jah­ren Erfah­rung in der digi­ta­len Pro­dukt­in­no­va­ti­on – dar­un­ter zahl­rei­che Pro­jek­te für nam­haf­te Mobi­li­täts- und Auto­mo­ti­ve-Mar­ken wie BMW/MINI, Deut­sche Bahn, Mer­ce­des-Benz und Sie­mens – führt er inter­dis­zi­pli­nä­re Teams und ent­wi­ckelt preis­ge­krön­te Lösun­gen, die Design, Tech­no­lo­gie und Nut­zer­er­fah­rung naht­los mit­ein­an­der ver­bin­den. Flo­ri­ans Antrieb sind sei­ne tief­grei­fen­de Neu­gier und sei­ne Lei­den­schaft für men­schen­zen­trier­tes Design; es begeis­tert ihn, viel­schich­ti­ge Fra­ge­stel­lun­gen in klar struk­tu­rier­te, nut­zer­zen­trier­te Lösun­gen zu über­set­zen und mit­zu­er­le­ben, wie sei­ne Arbeit das Leben der Men­schen – ob auf der Stra­ße, auf der Schie­ne oder im digi­ta­len Raum – spür­bar verbessert.

Portrait von Johanna Pirker
Prof. Dr. Johan­na Pirker

Dr. Johan­na Pir­ker ist Infor­ma­ti­ke­rin mit Fokus auf Spie­le­ent­wick­lung, For­schung und Bil­dung sowie eine akti­ve Stim­me der loka­len Indie-Ent­wick­lungs-Com­mu­ni­ty. Seit Som­mer 2025 ist sie Pro­fes­so­rin an der TUM School of Com­pu­ta­ti­on, Infor­ma­ti­on and Tech­no­lo­gy (CIT). Sie ver­fügt über umfang­rei­che Erfah­rung in der Gestal­tung, Ent­wick­lung und Bewer­tung von Spie­len und VR-Erfah­run­gen und sieht die­se als Werk­zeu­ge zur För­de­rung von Ler­nen, Zusam­men­ar­beit und der Lösung rea­ler Pro­ble­me. Johan­na begann ihre Kar­rie­re in der Bran­che als QA-Tes­ter bei EA und berät wei­ter­hin Stu­di­os im Bereich der Nut­zer­for­schung für Spie­le. 2011/12 begann sie am Mas­sa­chu­setts Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy mit der For­schung und Ent­wick­lung von VR-Erleb­nis­sen. Ihre For­schung kon­zen­triert sich auf Spie­le mit Schwer­punkt auf KI, HCI, Daten­ana­ly­se und VR-Tech­no­lo­gien. Johan­na wur­de in die For­bes 30 Under 30-Lis­te der Wissenschaftler*innen aufgenommen.

Portrait zeigt Dominique Massonie vor urbanen Grund.
Domi­ni­que Massonié
Lei­ter Soft­ware-Inter­na­tio­na­li­sie­rung bei NIO. Domi­ni­que Masso­nié stu­dier­te Soft­ware Engi­nee­ring im fran­zö­si­schen Avi­gnon, wo er auch pro­mo­vier­te – mit Schwer­punkt auf Sprach­tech­no­lo­gie und Dia­log­sys­te­me. 2006 zog er nach Deutsch­land, um als Pio­nier die Inte­gra­ti­on von Sprach­tech­no­lo­gie in die Auto­mo­bil­bran­che mit­zu­ge­stal­ten. Seit­her ver­ant­wor­te­te er Pro­jek­te, Pro­duk­te und Inno­va­ti­ons­vor­ha­ben für ver­schie­de­ne Pre­mi­um­mar­ken. Seit Mit­te 2022 treibt Domi­ni­que bei NIO in Euro­pa den Auf­bau von NOMI vor­an – einem intel­li­gen­ten digi­ta­len Beglei­ter, der Men­schen in ihrem Wan­del von Mobi­li­tät und Lebens­stil unterstützt.

Über Spaces of Mobility

Die Ver­an­stal­tungs­rei­he „Spaces of Mobi­li­ty“ bringt Fach­leu­te aus Mobi­li­täts­de­sign, Mobi­li­täts­an­bie­tern, Auto­mo­bil­her­stel­lern und Zulie­fer­be­trie­ben zusam­men, eben­so wie Exper­tin­nen und Exper­ten aus ande­ren Bran­chen – von Stadt­pla­nung bis Inte­rior­de­sign. Die Ver­an­stal­tung „Digi­tal“ rich­tet sich an alle, die einen Ein­blick in die digi­ta­le Zukunft der Mobi­li­tät haben möchten.

Die Ver­an­stal­tung ist eine Koope­ra­ti­on von bay­ern design, bay­ern inno­va­tiv, und dem InSuM Inte­ri­or Hub-Automotive.