On Dis­play. Wie Gra­fik­de­sign uns gestaltet

Ausstellung im Museum Angewandte Kunst Frankfurt – bis 8. November

Gra­fik­de­sign ist all­ge­gen­wär­tig. Ob Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen, digi­ta­le Inter­faces auf unse­ren Smart­phones oder Wer­be­flä­chen und Leit­sys­te­me im öffent­li­chen Raum – alles, was uns an visu­el­len Medi­en umgibt, ist gra­fisch gestal­tet und inten­diert eine Wirkung.

So prägt Gra­fik­de­sign, wie wir wahr­neh­men, ver­ste­hen, füh­len und han­deln – oft ohne, dass wir uns des­sen bewusst sind. Anhand der gestal­te­ri­schen Posi­tio­nen von Robin Coe­nen und Dani­elle Rosa­les, Ali­ne Bavier und Sophia Becker sowie Anja Kai­ser und Rebec­ca Ste­pha­ny unter­sucht die Aus­stel­lung On Dis­play. Wie Gra­fik­de­sign uns gestal­tet die gesell­schaft­li­che Dimen­si­on von Gra­fik­de­sign und fragt nach sei­ner Wirk­macht in Zei­ten poli­ti­scher, tech­no­lo­gi­scher und sozia­ler Umbrüche.

Die Dar­stel­lung von Infor­ma­tio­nen beein­flusst, was wir wis­sen – oder zu wis­sen glau­ben. Zah­len, Daten und Fak­ten sind kein form­lo­ses Mate­ri­al, son­dern immer auf eine bestimm­te Art und Wei­se gestal­tet. Und alles, was gestal­tet ist, könn­te immer auch anders gestal­tet sein. Damit ist jede gestal­te­ri­sche Ent­schei­dung immer auch eine inhalt­li­che. Unter dem Titel Design Macht Wis­sen unter­su­chen Robin Coe­nen und Dani­elle Rosa­les, wie Gra­fik­de­sign Wis­sen formt und ver­mit­telt und wel­che Macht­ver­hält­nis­se dadurch entstehen.

Auch die Werk­zeu­ge, mit denen wir gestal­ten, sind nicht neu­tral. Die Geschich­te des Gra­fik­de­signs ist eng mit tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt ver­bun­den. Aktu­ell stößt uns die Ent­wick­lung gene­ra­ti­ver künst­li­cher Intel­li­genz in eine neue Medi­en­re­vo­lu­ti­on und for­dert auch die Dis­zi­plin des Gra­fik­de­signs grund­le­gend her­aus. Ali­ne Bavier und Sophia Becker neh­men eine offen­si­ve Hal­tung ein und eig­nen sich die gestal­te­ri­schen Mit­tel die­ses tech­ni­schen Umbruchs an. In ihrer Video­in­stal­la­ti­on re con­s­truc­ted (re kon­stru­iert) ver­ar­bei­ten sie gemein­sa­me Kind­heits- und Jugend­er­in­ne­run­gen mit Hil­fe von gene­ra­ti­ven Bild­mo­del­len. Medi­en, Metho­den und Werk­zeu­ge wer­den zu Mitautor:innen unse­rer Wirklichkeit.

Der Kanon des Gra­fik­de­signs wur­de ins­be­son­de­re im 20. Jahr­hun­dert vom Anspruch geprägt, all­ge­mein­gül­ti­ge Gestal­tungs­prin­zi­pi­en zu for­mu­lie­ren. In ihrem Glos­sa­ry of Undi­sci­pli­ned Design (Glos­sar des undis­zi­pli­nier­ten Gestal­tens) machen Anja Kai­ser, Rebec­ca Ste­pha­ny und wei­te­re Autor:innen deut­lich, dass sich die Dis­zi­plin eben­so gut als offe­nes und wider­sprüch­li­ches – also undis­zi­pli­nier­tes – Feld begrei­fen lässt, das sein Poten­zi­al in der Zusam­men­ar­beit, der Viel­stim­mig­keit und der Bereit­schaft ent­fal­tet, Gege­ben­hei­ten zu hinterfragen.

Die Aus­stel­lung On Dis­play. Wie Gra­fik­de­sign uns gestal­tet macht sicht­bar, wie Gra­fik­de­sign unse­re Wirk­lich­keit formt – und lädt dazu ein, auf­ge­wor­fe­ne Fra­gen wei­ter­zu­den­ken und die gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung der Dis­zi­plin neu zu verhandeln.

Kura­tor: Dr. Jonas Deuter
Foto: Gün­zel / Rademacher