Nach­be­richt zur bay­ern design Aus­stel­lung auf der IHM 2026

Design trifft Handwerk

Mes­se München
4. März 2026 – 8. März 2026

Über tau­send Men­schen täg­lich. Gesprä­che zwi­schen Robotikexpert:innen und Schreiner:innen, zwi­schen Krea­tiv­schaf­fen­den und dem Nach­wuchs. Ein Staats­mi­nis­ter, der sich Filz­ex­pe­ri­men­te erklä­ren lässt. Und mit­ten­drin: drei Holz­schau­keln, auf denen es sich im Mes­se­tru­bel kurz zur Ruhe kom­men ließ. Vom 4. bis 8. März 2026 wur­de der bay­ern design Stand auf der Inter­na­tio­na­len Hand­werks­mes­se zu einem Ort, an dem nicht nur aus­ge­stellt, son­dern gedacht, gemacht, gefühlt und getes­tet wurde.

Unter dem Leit­mo­tiv »Kopf, Hand, Herz« zeig­te bay­ern design, wel­che Fähig­kei­ten und Hal­tun­gen aus Design und Hand­werk heu­te wich­tig sind – und wie sie pro­duk­tiv zusam­men­kom­men. Die Aus­stel­lung prä­sen­tier­te Pro­jek­te aus Bay­ern und dar­über hin­aus und wur­de zu einem leben­di­gen Treff­punkt für Designer:innen, Handwerker:innen, Inter­es­sier­te, Poli­tik und Presse.

Kopf, Hand, Herz: Wenn Design und Hand­werk sich begegnen

bay­ern design zeig­te auf der Inter­na­tio­na­len Hand­werks­mes­se, wie sich Design und Hand­werk gegen­sei­tig stär­ken. Rund 850 Aus­stel­ler aus etwa 50 Län­dern prä­sen­tier­ten ihre Pro­duk­te auf der Mes­se, die seit über 75 Jah­ren zu den wich­tigs­ten Platt­for­men für Hand­werk und Inno­va­ti­on in Euro­pa zählt.

Das kura­to­ri­sche Kon­zept des 150 m² gro­ßen Aus­stel­lung­s­tan­des war bewusst klar for­mu­liert: Gute Gestal­tung beginnt im Kopf. Sie wird greif­bar in der Hand. Ihre Wir­kung ent­fal­tet sie im Her­zen. Hand­ge­fer­tig­te Pro­duk­te wur­den dabei nicht als nost­al­gi­sche Relik­te ver­stan­den, son­dern als zeit­ge­nös­si­sche Posi­tio­nen – als Orte, an denen Mate­ri­al­wis­sen, Gestal­tung und tech­no­lo­gi­sche Inno­va­ti­on zusammenkommen.
Die drei Per­spek­ti­ven »Kopf, Hand, Herz« struk­tu­rier­ten sowohl die Aus­wahl der Pro­jek­te als auch die räum­li­che Gestal­tung. Eine offe­ne Holz­ar­chi­tek­tur schuf Atmo­sphä­re und Ori­en­tie­rung zugleich. Täg­lich besuch­ten über tau­send Men­schen den Stand – Fach­leu­te aus Hand­werk und Krea­tiv­wirt­schaft eben­so wie Jugend­li­che auf Berufsorientierung.

Eine ech­te Beson­der­heit: Zu allen Expo­na­ten waren die Designer:innen – und teil­wei­se auch die Handwerker:innen – selbst am Stand. Sie erklär­ten ihre Pro­jek­te, beant­wor­te­ten Fra­gen, erzähl­ten Geschich­ten, die sonst nicht Teil der offi­zi­el­len Pres­se­tex­te oder Pro­jekt­be­schrei­bun­gen sind.

Der Kopf: Wenn Algo­rith­men auf Schrei­ner­hand­werk treffen

Simon Vor­ham­mer prä­sen­tier­te mit form­feld algo­rith­misch gestal­te­te Holz­ober­flä­chen. Aus­gangs­punkt war eine kon­kre­te akus­ti­sche Her­aus­for­de­rung im Münch­ner Club Blitz: Die Musik­an­la­ge war für deut­lich grö­ße­re Räu­me aus­ge­legt. Gemein­sam mit der Schrei­ne­rei Josef Ober­mai­er ent­wi­ckel­te Vor­ham­mer dar­auf­hin akus­tisch opti­mier­te Wand­pa­nee­le. Digi­ta­le Ent­wurfs­pro­zes­se und hand­werk­li­che Fer­ti­gung grei­fen hier unmit­tel­bar ineinander.

Ein ande­res Pro­jekt wid­me­te sich euro­päi­scher Schaf­wol­le. Mareen Bau­meis­ter stell­te mit FLOCK ein robo­ti­sches Werk­zeug vor, das drei­di­men­sio­na­les Fil­zen ermög­licht. Hin­ter­grund ist ein struk­tu­rel­les Pro­blem: Gro­ße Men­gen Wol­le wer­den ent­sorgt, weil sie für Klei­dung zu grob ist. Das Tool arbei­tet mit über hun­dert Filz­na­deln und ermög­licht Mate­ri­al­struk­tu­ren mit unter­schied­li­chen Fes­tig­kei­ten – von sta­bil und tra­gend bis weich und fle­xi­bel. Unter­stützt wur­de das Pro­jekt durch einen Cobot von Uni­ver­sal Robots »Wir woll­ten zei­gen, dass auch ver­meint­li­che Rest­stof­fe ein enor­mes gestal­te­ri­sches Poten­zi­al haben – wenn man Mate­ri­al und Tech­no­lo­gie zusam­men denkt«, so Baumeister.

Bei­de Pro­jek­te zei­gen, was der Kopf zum Gestal­tungs­pro­zess bei­trägt: Er ana­ly­siert Bedürf­nis­se, ent­wi­ckelt Stra­te­gien, denkt Zukünf­te. Er erschließt neue Per­spek­ti­ven für Mate­ria­li­en und Tech­no­lo­gien – und macht damit Wege sicht­bar, die ohne die­se kon­zep­tio­nel­le Arbeit ver­bor­gen blieben.

Die Hand: Den­ken durch Material

Ein Clay-Modell aus einem BMW Design Mode­ling Work­shop der Berufs­fach­schu­le für Pro­dukt­de­sign Selb zog beson­ders vie­le jun­ge Besucher:innen an. Desi­gner und Fach­leh­rer für Pro­duk­ti­ons­de­sign Kon­rad Gräß­ler erklär­te, war­um das Model­lie­ren mit Ton auch im digi­ta­len Zeit­al­ter eine zen­tra­le Rol­le spielt: Form und Pro­por­ti­on las­sen sich mit den Hän­den anders erfas­sen als am Bild­schirm. Das phy­si­sche Modell wird damit zu einem Werk­zeug des Denkens.

Auch im Bereich neu­er Mate­ria­li­en zeig­te sich, wie eng For­schung und hand­werk­li­che Pra­xis zusam­men­wir­ken. Die TUM-Stu­die­ren­den Jona­than Wahl und Anton Sche­rer prä­sen­tier­ten ihre For­schung zu struk­tu­rell tra­gen­den Hanf­bau­stei­nen. Wäh­rend Hanf bis­lang vor allem als Dämm­stoff ein­ge­setzt wird, erreicht ihr Bau­stein eine Druck­fes­tig­keit von bis zu fünf Ton­nen auf zehn mal zehn Zentimetern.

Ein wei­te­res Bei­spiel für die Ver­bin­dung von Tra­di­ti­on und zeit­ge­nös­si­scher Gestal­tung waren die KARAK-Ofen­ka­cheln. Sie ent­ste­hen im japa­ni­schen Raku-Ver­fah­ren, bei dem glü­hen­de Kera­mi­ken aus dem Ofen genom­men und unter kon­trol­lier­ten Bedin­gun­gen abge­schreckt wer­den. Feu­er, Luft, Was­ser und Erde hin­ter­las­sen dabei jeweils eige­ne Spu­ren – jede Ober­flä­che wird zum Unikat.

Das leis­tet also die Hand: Sie macht Ideen greif­bar, schafft hap­ti­sche Erfah­run­gen, ermög­licht Indi­vi­dua­li­tät. Sie expe­ri­men­tiert mit Mate­ri­al, tes­tet Pro­to­ty­pen, erfühlt Qua­li­tät und erlaubt Unperfektion.

Das Herz: Wer­te erleb­bar machen

Die AEKI-Hocker von REL­VÃO­KEL­LER­MANN und AUER­BERG wur­den von vie­len Besucher:innen aus­pro­biert. Beson­ders auf­fäl­lig sind die bewusst sicht­ba­ren Holz­ver­bin­dun­gen, die die Kon­struk­ti­on offen­le­gen. Die Idee dahin­ter: ein Möbel zu ent­wer­fen, das so lan­ge hält und benutz­bar bleibt, wie ein Baum zum Wach­sen braucht. Gefer­tigt wird AEKI in Ober­bay­ern aus PEFC-zer­ti­fi­zier­tem Eichen­holz. Die Bot­schaft ist klar: Wert­schät­zung für Mate­ri­al, Kön­nen und Langlebigkeit.

Ein beson­de­res Gespräch ent­wi­ckel­te sich rund um die Tisch­leuch­te Colo des Desi­gners Gre­gor Fau­bel, ent­stan­den in Zusam­men­ar­beit mit der Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur Nym­phen­burg. Inspi­riert von japa­ni­schen Papier­la­ter­nen ver­bin­det sie mini­ma­lis­ti­sche Form mit der hand­werk­li­chen Prä­zi­si­on tra­di­tio­nel­ler Por­zel­lan­pro­duk­ti­on. Die Zusam­men­ar­beit ent­stand aus einem per­sön­li­chen Aus­tausch zwi­schen Desi­gner und Manu­fak­tur, ein Bei­spiel dafür, wie Koope­ra­tio­nen zwi­schen Design und Hand­werk häu­fig aus lang­fris­ti­gen Bezie­hun­gen ent­ste­hen – aus gegen­sei­ti­gem Respekt und ech­tem Interesse.

Hier zeigt sich, was das Herz zum Gestal­tungs­pro­zess bei­trägt: Es macht hand­werk­li­che Erzeug­nis­se ver­ständ­lich, benut­zer­freund­lich und attrak­tiv. Es schafft emo­tio­na­le Ver­bin­dun­gen, erzählt Geschich­ten, zeigt Wert­schät­zung. Pro­duk­te wer­den zu Trä­gern von Kul­tur und Hal­tung – zu mehr als nur funk­tio­na­len Objekten.

Aus­tausch, Begeg­nung und neue Perspektiven

Wäh­rend der Mes­se­ta­ge ent­wi­ckel­te sich der Stand zu einem leben­di­gen Treff­punkt. Das Begleit­pro­gramm mit Kurz­vor­trä­gen trug wesent­lich dazu bei. Andre­as Bun­sen beschrieb sei­ne in der Mit­te des Stan­des hän­gen­den Hut­schn-Schau­keln als »eine Lebens­ein­stel­lung – ein Moment der Lang­sam­keit, der Sorg­falt«. Genau das wur­de spür­bar, wenn Erwach­se­ne im Mes­se­tru­bel kurz inne­hiel­ten und schaukelten.

Dabei wur­de deut­lich, wie unter­schied­lich die Zugän­ge sein kön­nen – und wie pro­duk­tiv ihre Ver­bin­dung ist. Der Stand wur­de zu einem Ort, an dem nicht nur Pro­jek­te prä­sen­tiert, son­dern auch Ideen wei­ter­ent­wi­ckelt wur­den. Das zeig­te sich in spon­ta­nen Gesprä­chen zwi­schen Designer:innen, Handwerker:innen und Tech­no­lo­gie­an­bie­tern – etwa beim Aus­tausch zwi­schen Schrei­ner Kor­bi­ni­an Gärt­ner, Desi­gner Simon Vor­ham­mer und Robo­tik­ex­per­te Micha­el Hartl von Uni­ver­sal Robots.

Und was neh­men wir mit?

Die Aus­stel­lung hat gezeigt, wie viel­fäl­tig die Ver­bin­dung von Design und Hand­werk heu­te sein kann – von algo­rith­misch gestal­te­ten Holz­ober­flä­chen über robo­tisch gefilz­te Möbel bis zu hand­ge­press­ten Bau­stei­nen aus Hanf. Dabei wur­de deut­lich: Hand­werk ist nicht nur Tra­di­ti­on, son­dern auch ein Feld für For­schung, Mate­ri­al­ex­pe­ri­men­te und neue Geschäfts­mo­del­le. Design kann dabei hel­fen, die­se Ent­wick­lun­gen anzu­sto­ßen, sicht­bar und zugäng­lich zu machen. Und manch­mal genügt dafür eine ein­fa­che Holz­schau­kel, auf der Men­schen im Mes­se­tru­bel kurz inne­hal­ten – und spü­ren, was gut gestal­te­tes Hand­werk bedeutet.

Impres­sio­nen vom Eröffnungstag

Mit der Aus­stel­lung rich­te­te sich bay­ern design an Handwerker:innen, jun­ge Men­schen in der Berufs­ori­en­tie­rung, Gestalter:innen sowie an ein inter­es­sier­tes Publi­kum. Ziel ist es, Design und Hand­werk als gemein­sa­mes Zukunfts­feld sicht­bar zu machen – als gleich­wer­ti­ge Part­ner auf Augen­hö­he. Die Aus­stel­lung wur­de vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft, Lan­des­ent­wick­lung und Ener­gie gefördert.

„Gutes Design macht Hand­werk und Wirt­schaft zukunfts­fä­hig. Auf der IHM und beson­ders auf dem Stand von bay­ern design sieht man: Wenn Hand­werk und Design Hand in Hand gehen, ent­ste­hen Pro­duk­te mit Mehr­wert, die gut funk­tio­nie­ren, sicher sind und dabei noch gut aus­se­hen. Das stärkt unse­re Betrie­be und macht Bay­ern zur Mar­ke für intel­li­gen­te Lösungen.“

Hubert Aiwan­ger, Staats­mi­nis­ter für Wirt­schaft, Lan­des­ent­wick­lung und Energie

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Weitere Informationen

Expo­na­te

Hut­schn: Her­zens­pro­jekt Schaukeln

Schau­keln fürs Leben: 15 hand­werk­li­che Schrit­te, zehn Jah­re luft­ge­trock­ne­tes Eichen­holz, gespleiß­te Sei­le. Ein Her­zens­pro­jekt aus dem Berch­tes­ga­de­ner Land.

Abbil­dung: Mar­tin Morscher

Nym­phen­burg: Wenn Por­zel­lan leuchtet

Colo. Hauch­dün­nes Por­zel­lan aus Nym­phen­burg trifft mund­ge­bla­se­nes Glas von The­re­si­en­thal. Wenn Licht den Glas­fuß durch­strömt, leuch­tet der Schirm­saum farbig.

Abbil­dung: Por­zel­lan Manu­fak­tur Nymphenburg

KARAK: Raku-Tech­nik trifft Siebdruck

Jede Kera­mik­flie­se ein Uni­kat: 30-mal in die Hand genom­men, bei 900 Grad gebrannt, in Säge­mehl gelegt – die japa­ni­sche Raku-Tech­nik aus Vorarlberg.

Abbil­dung: KARAK

Form­feld: Algo­rith­men und Handwerk

Algo­rith­men erzeu­gen ein­zig­ar­ti­ge Holz­ober­flä­chen – jede wie ein Fin­ger­ab­druck. Mathe­ma­ti­sche Prä­zi­si­on trifft auf tra­di­tio­nel­les Schreinerhandwerk.

Abbil­dung: Simon Vorhammer

FLOCK: Zwi­schen Filz­hand­werk und Robotik

Aus unge­nutz­ter Schaf­wol­le wird ein kreis­lauf­fä­hi­ger Hocker. Ein robo­ti­sches Werk­zeug formt drei­di­men­sio­na­le Struk­tu­ren – rein mecha­nisch, monomateriell.

Abbil­dung: Mareen Baumeister

BSZ Selb: Fahr­zeug­de­sign hap­tisch gestalten

Clay-Modell: Von der Hand zum Pixel: Die­ses BMW-Kon­zept­mo­dell durch­läuft den kom­plet­ten Design­pro­zess – von hän­disch geform­tem Ton bis zur foto­rea­lis­ti­schen Visualisierung.

Abbil­dung: Dari­us Bulicke

TUM: Hanf-Bau­stof­fe aus dem Designlabor

inno­Lith: Die Mög­lich­kei­ten bio­ba­sier­ter Mate­ria­li­en – TUM-Stu­die­ren­de erfor­schen, wie aus Hanf, Kalk­pul­ver, Bau­sand und Gela­ti­ne per Hand gepress­te Blö­cke zum Bau­en entstehen.

Abbil­dung: Anton Sche­rer & Jona­than Wahl

TUM: Neue Netz­wer­ke für Nutzhanf

Car­pet­Dis­cus­sions: Ein von TUM-Stu­die­ren­den getuf­te­ter Tep­pich, der süd­deut­sche Agrar­land­schaf­ten abbil­det und als Gesprächs­an­stoß dient. So wer­den regio­na­le Wert­schöp­fungs­ket­ten und Mate­ri­al­kreis­läu­fe greifbarer.

Abbil­dung: Johan­na Roth, Lau­ra Schieferdecker

AUER­BERG: Wenn IKEA zu AEKI wird

AEKI: Tritt­ho­cker, Nacht­tisch, Bei­stell­tisch zugleich. Gewin­kel­te Bei­ne sor­gen für skulp­tu­ra­le Form. Gefer­tigt in Ober­bay­ern – ein Möbel fürs Leben.

Abbil­dung: AUERBERG