Mir­ror Me – Social Media als Bühne

Paneldiskussion im Staatstheater Nürnberg, 26. Juni

Social Media ist die größ­te Büh­ne unse­rer Wirk­lich­keit: Wir insze­nie­ren uns, kämp­fen um Deu­tung und Bedeu­tung. Algo­rith­men und Fil­ter­bla­sen ver­schie­ben unse­re Dis­kur­se und radi­ka­li­sie­ren uns, ohne dass wir uns des­sen bewusstwerden.

Im Rah­men der gemein­sa­men Ver­an­stal­tung des Staats­thea­ters Nürn­berg und bay­ern design wol­len wir auf die zugrun­de­lie­gen­den Mecha­ni­ken schau­en und fra­gen: Wie kön­nen Kunst und Gestal­tung als Gegen­pol digi­ta­le Öffent­lich­kei­ten zurückerobern?

Dazu spre­chen wir mit Akteur:innen aus der gestal­te­ri­schen und akti­vis­ti­schen Pra­xis, die digi­ta­le Räu­me nicht bloß bespie­len, son­dern sie aktiv hin­ter­fra­gen, stö­ren und neu beset­zen. So wie „Myke“, einer sub­ver­si­ven digi­ta­len Kam­pa­gne von „onlinetheater.live“, die ein wirk­mäch­ti­ges eman­zi­pa­to­ri­sches Gegen­ge­wicht zur mas­ku­li­nis­ti­schen Radi­ka­li­sie­rung im Netz schafft.

Und wir spre­chen über „Mir­ror Me“, eine inter­ak­ti­ve Instal­la­ti­on des Design­bü­ros „Elas­tique“, die Mecha­nis­men der digi­ta­len Selbst­in­sze­nie­rung im phy­si­schen Raum direkt erfahr­bar macht, indem sie unser Ver­lan­gen nach dem per­fek­ten vir­tu­el­len Abbild mit der uner­bitt­li­chen Logik auto­ma­ti­sier­ter Sys­te­me konfrontiert.

Im Anschluss bege­ben wir uns auf einen 15-minü­ti­gen Spa­zier­gang in den inter­dis­zi­pli­nä­ren Kul­tur- und Pro­jekt­raum „Space Bet­ween“ wo bay­ern design die Instal­la­ti­on „Mir­ror Me“ wäh­rend des Nürn­berg Digi­tal Fes­ti­vals von 26. bis 29. Juni zeigt.

Ablauf

16:30 Uhr: Ein­lass Staats­thea­ter Nürnberg
17:00 Uhr: Talk
18:30 Uhr: Walk ins Space Between
18:45 Uhr: Mir­ror Me: Inter­ac­ti­ve Cobo­tic Installation

Speaker:innen

Sarah Buser ist Regis­seu­rin, Dra­ma­tur­gin und Pro­gram­mie­re­rin. In ihren par­ti­zi­pa­ti­ven und thea­tra­len Arbei­ten ver­bin­det sie Nar­ra­ti­on, Code und Fik­ti­on, um theo­re­ti­sche Kon­zep­te und gesell­schaft­li­che Phä­no­me­ne erfahr­bar zu machen. Sie rea­li­siert Pro­jek­te u.a. mit der Kunst­hal­le Basel, dem Thea­ter Dort­mund, der Ars Elec­tro­ni­ca in Linz und dem Ber­li­ner Ensemble.

Sie stu­dier­te Phi­lo­so­phie, Ger­ma­nis­tik Dra­ma­tur­gie, lehr­te als Gast­pro­fes­so­rin für VR- und Mul­ti­me­dia­de­sign an der Burg Gie­bi­chen­stein in Hal­le und unter­rich­tet im Mas­ter Crea­ti­ve Tech­no­lo­gies an der Film­uni­ver­si­tät Babelsberg.

Andre­as Schim­mel­p­fen­nig begann sei­ne krea­ti­ve Lauf­bahn im Sound­de­sign, bevor er Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­stal­tung an der renom­mier­ten Peter Beh­rens School of Arts in Düs­sel­dorf stu­dier­te. 2005 grün­de­te er gemein­sam mit sei­ner Frau, Prof. Bet­ty Schim­mel­p­fen­nig, das Krea­tiv­stu­dio Elas­tique. Seit­dem ent­wi­ckelt das viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Stu­dio visio­nä­re Pro­jek­te an der Schnitt­stel­le von Design, Tech­no­lo­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on und zählt heu­te zu den Top 20 der krea­tivs­ten Agen­tu­ren Deutschlands.

Sein inter­dis­zi­pli­nä­rer Ansatz ver­eint kom­mer­zi­el­le und expe­ri­men­tel­le For­ma­te und zeich­net sich durch den inno­va­ti­ven Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gien aus – stets mit dem Ziel, emo­tio­na­le Erleb­nis­se zu schaf­fen, die das Publi­kum nach­hal­tig berühren.

Die Arbei­ten von Andre­as Schim­mel­p­fen­nig wur­den mit über 100 natio­na­len und inter­na­tio­na­len Aus­zeich­nun­gen geehrt, dar­un­ter der Can­nes Lions Sil­ver, der ADC Grand Prix und der Red Dot Award Grand Prix. Mit sei­ner Fähig­keit, kom­mu­ni­ka­ti­ve Auf­ga­ben neu zu den­ken und stra­te­gisch wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, zählt er zu den PAGE Top 50 im Bereich Mar­ke & Stra­te­gie. Sei­ne Kar­rie­re steht exem­pla­risch für gestal­te­ri­sche Qua­li­tät, tech­no­lo­gi­sche Neu­gier und künst­le­ri­sche Vision.

Cas­par Wei­mann ist Honorarprofessor*in und Mentor*in für Schau­spiel an der ADK Baden-Würt­tem­berg, Initiator*in des onlinetheater.live, des Pro­jekts “Myke” (DER FAUST Thea­ter­preis 2025), der App „Lou­lu“ (Ama­deu Anto­nio Preis 2021, Hei­del­ber­ger Stü­cke­markt 2022) und von zahl­rei­chen trans­me­dia­len anti­fa­schis­ti­schen Pro­jek­ten, über­nimmt die Semi­nar- und Work­shop­lei­tung und hält Vor­trä­ge zu künst­le­ri­schen Stra­te­gien zur De-Radi­ka­li­sie­rung auf Social Media, rech­ten Rekru­tie­rungs­pro­zes­sen, par­ti­zi­pa­ti­vem Thea­ter im Netz und zur Thea­tra­li­tät von Social Media und kre­iert Con­tent auf Insta­gram und Tik­Tok zu all dem.

Bild­nach­weis: Stel­la Butz

Mode­ra­ti­on:

Nils Cor­te ist ein deut­scher Autor, Regis­seur und Crea­ti­ve Tech­no­lo­gist. 2021/22 begann er als Refe­rent für Digi­ta­le Küns­te am Thea­ter Dort­mund zu arbei­ten, wo er spar­ten­über­grei­fend ver­schie­de­ne Pro­jek­te mit digi­ta­lem Fokus realisierte.

Seit der Spiel­zeit 2023/24 ist er künst­le­ri­scher Lei­ter des Exten­ded Rea­li­ty Thea­ters (XRT) am Staats­thea­ter Nürn­berg und erforscht dort das Poten­zi­al digi­ta­ler Tech­no­lo­gien für den Ein­satz in per­for­ma­ti­ven Zusam­men­hän­gen. Er ist Alum­ni der Aka­de­mie für Thea­ter und Digi­ta­li­tät und war mit der Pro­duk­ti­on Das House zum Show­ca­se des Ber­li­ner Thea­ter­tref­fens (2021) ein­ge­la­den. Er hat zahl­rei­che Apps im Thea­ter­kon­text kon­zi­piert und ent­wi­ckelt (Hie­sig / √My / Sym­me­trie / Der Bau / Ein­fach das Ende der Welt / Graf Öder­land) und für das Ars Elec­tro­ni­ca Fes­ti­val 2020 die vir­tu­el­le Begeg­nungs­stät­te des Fes­ti­vals in Kep­lers Gar­dens für über 60 Digi­ta­le-Pro­jek­te aus aller Welt realisiert.

2022 wur­de er für die Pro­duk­ti­on Pan’s Lab für den Faust­preis nominiert.

Er ist Mit­glied der Deut­schen Aka­de­mie der dar­stel­len­den Künste.

Zuletzt schrieb er Mord auf dem Holo­deck (2019), Sym­me­trie (2023), Ich has­se Men­schen (2025) und Smart aber herz­lich (2025).

Bild­nach­weis: Julia Puder