1. Juli 2026

Mir­ror Me – Inter­ac­ti­ve Cobo­tic Installation

bayern design auf dem Nürnberg Digital Festival 2026

Eine Glas­front in einer Unter­füh­rung. Nüch­ter­ne, kla­re Archi­tek­tur. Vor­hän­ge ver­de­cken den Blick nach Innen. Du betrittst das Space Bet­ween. Dif­fu­ses Licht. Zwei Robo­ter­ar­me ste­hen sich gegen­über, wie auf einer Büh­ne. Sie hal­ten jeweils einen rie­si­gen qua­dra­ti­schen Spie­gel. Licht­ke­gel durch­schnei­den den Raum, pral­len von den Spie­geln zurück. Es ist ruhig und nichts bewegt sich.

Du stellst dich zwi­schen die Robo­ter in der Mit­te des Rau­mes. Spie­gelst dich tau­send­fach, wie lau­ter visu­el­le Echos. Atmo­sphä­ri­scher Sound ertönt. Nach­denk­lich, wild und wie­der ruhig. Die Robo­ter­ar­me set­zen sich in Bewe­gung, spie­len mit dei­ner Wahr­neh­mung. Aus der Instal­la­ti­on wird eine Per­for­mance. Die Beton­wän­de wer­den flüs­sig und ver­fes­ti­gen sich wie­der. Dein tau­send­fa­ches Spie­gel­bild kippt, rotiert, ver­schwin­det und taucht wie­der auf. Wer bist du? Was ist die Lieb­lings­ver­si­on dei­nes Spiegelbildes?

„Mir­ror Me“: Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on als Büh­ne des Selbst

Vom 26. bis 29. Juni 2026 zeig­te bay­ern design im Rah­men des Nürn­berg Digi­tal Fes­ti­vals 2026 die mehr­fach aus­ge­zeich­ne­te Instal­la­ti­on „Mir­ror Me“ von Andre­as Schim­mel­p­fen­nig, Crea­ti­ve Direc­tor des in Köln, Ber­lin und Mün­chen ansäs­si­gen Design­stu­di­os Elas­tique. Im Space Bet­ween, einem inter­di­zi­pli­nä­ren Krea­tiv­ort in der Nürn­ber­ger Süd­stadt konn­te die inter­ak­ti­ve Cobot-Instal­la­ti­on von den Festival-Besucher:innen erlebt wer­den. Zwei für die Kol­la­bo­ra­ti­on mit ech­ten Men­schen kon­zi­pier­te Robo­ter­ar­me von Uni­ver­sal Robots bil­de­ten den Rah­men für eine ganz beson­de­re Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on, des­sen Ziel die die Hin­ter­fra­gung des eige­nen digi­ta­len Selbst­bil­des ist. Denn jede:r der:die Teil der Instal­la­ti­on sein möch­te, begibt sich in eine Büh­nen­si­tua­ti­on. Anschlie­ßend wird ein Social-Media-taug­li­ches Hoch­for­mat-Video des eige­nen Büh­nen­mo­ments zur Ver­fü­gung gestellt, das im eige­nen Pro­fil geteilt wer­den kann.

Die Kunst, Auf­merk­sam­keit zu inszenieren

Wie Krea­tiv­schaf­fen­de die Mecha­nis­men sozia­ler Medi­en nut­zen kön­nen, wur­de auch bei unse­rer Begleit­ver­an­stal­tung im Exten­ded Rea­li­ty Thea­ter (XRT) des Staats­thea­ters Nürn­berg the­ma­ti­siert. Cas­par Wei­mann, Honorarprofessor:in und Mentor:in für Schau­spiel an der Aka­de­mie für Dar­stel­len­de Kunst Baden-Würt­tem­berg, gab dabei unter ande­rem einen Ein­blick in das Pro­jekt „Myke“. Dabei wer­den unter­schied­li­cher Tik­Tok-Pro­fi­le geschickt insze­niert, um gezielt Fil­ter­bla­sen radi­ka­ler Männ­lich­keits­kul­tu­ren zu infil­trie­ren. Dabei set­zen die Aktivist:innen Gegen­nar­ra­ti­ve und sen­si­bi­li­sie­ren für Empa­thie, Acht­sam­keit und Inklu­si­on. Sarah Buser, Dra­ma­tur­gin, Regis­seu­rin und Pro­gram­mie­re­rin für par­ti­zi­pa­ti­ve Thea­ter­pro­jek­te, ent­wi­ckel­te mit den „Erzähl­kap­seln” spe­ku­la­ti­ve Zukünf­te, die aus vie­len ver­schie­de­nen Frag­men­ten bestehen. Es gibt kei­nen Erzähl­strang, jede:r Besucher:in macht unter­schied­li­che Erfah­run­gen – eine Art ana­lo­ger Algo­rith­mus. Für Buser ist das Thea­ter ein Raum, in dem The­men wie Social Media ver­han­delt wer­den. Denn auch wenn Social Media die größ­te Büh­ne unse­rer Wirk­lich­keit ist: Span­nung ent­steht im Zusam­men­spiel zwi­schen ana­lo­gem und digi­ta­lem Raum.

Expe­ri­ence Design als Insze­nie­rung von Bedeutung

Die Insze­nie­rung von Erleb­nis­sen und Erfah­run­gen liegt auch im Fokus der gestal­te­ri­schen Tätig­keit des Desi­gners Andre­as Schim­mel­p­fen­nig. Denn das, was wir aus den sozia­len Medi­en ken­nen – dass jede:r eine eige­ne Per­spek­ti­ve erlebt – wird im Expe­ri­ence Design zum Aus­gangs­punkt. Elas­tique nutzt die­se Mecha­nis­men gezielt, um Span­nung zu erzeu­gen und Momen­te zu schaf­fen, die die Ver­bin­dung zwi­schen Mensch und Mar­ke stär­ken. Die insze­nier­ten Mar­ken­er­leb­nis­se von Elas­tique las­sen sich als indi­vi­du­el­le Erfah­run­gen auf Social Media tei­len und wei­ter­tra­gen. Damit haben alle drei Speaker:innen gemein­sam, dass sie Momen­te schaf­fen, die Men­schen emo­tio­nal auf Platt­for­men und dar­über hin­aus anspre­chen. Mode­ra­tor Nils Cor­te, Lei­ter des XRT im Staats­thea­ter Nürn­berg, bezeich­net die­se For­men der Insze­nie­rung als gestal­te­ri­sche Exzel­lenz: gezielt plat­zier­ter, authen­ti­scher Con­tent, der berührt.

War­um Authen­ti­zi­tät uner­setz­lich bleibt

Andre­as Schim­mel­p­fen­nig betont dabei die Bedeu­tung von Authen­ti­zi­tät. Social Media oder KI-gene­rier­te Inhal­te kön­nen uns aus sei­ner Perpek­ti­ve nie voll­stän­dig erfül­len. Weder in der Wer­bung, noch auf der Büh­ne: „Im Thea­ter inter­agie­ren Men­schen mit Men­schen – wenn wir den Men­schen aus der Glei­chung raus­neh­men, was bleibt dann?”

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