4. August 2026

Die Zukunft der huma­no­iden Robotik

Technik trifft Gestaltung

bay­ern design, Inter­na­tio­na­les Kom­pe­tenz­zen­trum für Design, empfiehlt:

Mensch-Robo­ter-Inter­ak­ti­on: Wie Ver­trau­en auf­ge­baut wird

In einem Pfle­ge­heim im Jahr 2035 wer­den zwei neue huma­no­ide Robo­ter getes­tet. Bei­de ver­fü­gen über die­sel­ben Sen­so­ren und tech­ni­schen Fähig­kei­ten. Sie kön­nen Gesprä­che füh­ren und Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner im All­tag unter­stüt­zen. Wäh­rend einer der Robo­ter schnell akzep­tiert wird, reagie­ren vie­le auf den ande­ren mit Skep­sis und Ableh­nung. Eini­ge ver­mei­den sogar bewusst den Kon­takt. Der Unter­schied liegt nicht in der Tech­nik, son­dern in der Art, wie die Robo­ter gestal­tet wur­den: Ihre Kör­per­spra­che, Stim­me, die Bewe­gun­gen und dar­in, wie sie auf Men­schen zuge­hen. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet des­halb nicht nur, was ein huma­no­ider Robo­ter kann. Son­dern auch, wie er gestal­tet sein muss, damit Men­schen ihnen vertrauen.

Bar­ba­ra Groll spricht mit Prof. Dani­el Nus­ser, Geschäfts­füh­rer von design­flow, über die Gestal­tung von Mensch-Maschi­ne-Bezie­hun­gen und die Rol­le von Krea­ti­vi­tät in den Ent­wick­lun­gen. Außer­dem geht es dar­um, wie Unter­neh­men die Tech­no­lo­gie früh­zei­tig nut­zen kön­nen und wie die Zukunft huma­no­ider Robo­tik aus­se­hen könnte.

Ist die gro­ße Her­aus­for­de­rung huma­no­ider Robo­tik am Ende weni­ger eine rein tech­ni­sche als eine gestalterische?

Prof. Dani­el Nus­ser: Ich möch­te hier weder das eine noch das ande­re aus­schlie­ßen. Bei­de Aspek­te sind wich­tig. Dar­über hin­aus gibt es aber noch wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen, etwa recht­li­che Fra­gen, Haf­tungs­the­men oder die Indus­tria­li­sie­rung, die die Ent­wick­lung der­zeit brem­sen. Wenn wir über Gestal­tung spre­chen, geht es zudem um weit mehr als rei­ne Ästhe­tik. Dazu gehö­ren auch ethi­sche Fra­ge­stel­lun­gen, die ich für außer­or­dent­lich wich­tig hal­te und bei denen ich Desi­gne­rin­nen und Desi­gner in der Pflicht sehe, mit­zu­wir­ken. Wir müs­sen uns fra­gen: Wie auto­nom soll ein huma­no­ider Robo­ter eigent­lich sein? Was soll er selbst­stän­dig tun dür­fen? Darf er eigen­stän­dig Ent­schei­dun­gen tref­fen? Darf er lügen, so wie wir das bereits heu­te von gro­ßen Sprach­mo­del­len ken­nen. Bei all die­sen Fra­gen wün­sche ich mir, dass Desi­gne­rin­nen und Desi­gner ein Wört­chen mit­zu­re­den haben.

Haben Sie ein Bei­spiel, wo das Design ent­schei­dend für die Akzep­tanz eines huma­no­iden Robo­ters oder einer ande­re Tech­no­lo­gie war?

Prof. Dani­el Nus­ser: Da fällt mir spon­tan die Ent­wick­lung des Per­so­nal Com­pu­ters ein. In den frü­hen Tagen, als Com­pu­ter nur in gro­ßen Insti­tu­tio­nen, Uni­ver­si­tä­ten oder bei­spiels­wei­se im Pen­ta­gon ein­ge­setzt wur­den, konn­te sich kaum jemand vor­stel­len, wel­che Ver­brei­tung sie ein­mal errei­chen wür­den. Damals ging man teil­wei­se davon aus, dass es welt­weit viel­leicht nicht mehr als fünf oder zehn sol­cher Com­pu­ter geben wür­de. Geschwei­ge denn, dass sie irgend­wann in nahe­zu jedem Büro und Haus­halt ste­hen wür­den. Der dama­li­ge, IBM-Chef Tho­mas Wat­son soll gesagt haben, dass es welt­weit nie­mals mehr als fünf Com­pu­ter geben werde.

Da hat er sich ein biss­chen getäuscht.

Prof. Dani­el Nus­ser: Aller­dings. Den gro­ßen Durch­bruch hat Apple dann mit dem iMac geschafft. Plötz­lich wur­de alles, was zuvor in grau­en Gehäu­sen unter oder auf dem Schreib­tisch stand, in einem Pro­dukt bewusst ver­eint, das in unter­schied­li­chen Far­ben erhält­lich war. Dazu kam ein User Inter­face, das die Nut­zung deut­lich zugäng­li­cher gemacht hat. Auf ein­mal hat­ten Men­schen Freu­de dar­an, sich einen Com­pu­ter nach Hau­se zu holen. Das ist ein gutes Bei­spiel dafür, wie Design nicht nur Akzep­tanz schafft. Ich spre­che inzwi­schen ger­ne von „Joy of Use“. Wir wol­len Tech­no­lo­gien nicht nur akzep­tie­ren, son­dern durch ihre Nut­zung auch ein posi­ti­ves Erleb­nis schaffen.

Das kennt ver­mut­lich jeder: Wenn etwas nicht intui­tiv bedien­bar ist, sinkt die Akzep­tanz schnell.

Prof. Dani­el Nus­ser: Genau da sind wir an einem sehr inter­es­san­ten Punkt. Mir fällt dazu ein wei­te­res Bei­spiel ein, die Com­pu­ter­maus. Ich erin­ne­re mich noch gut an mei­nen ers­ten Com­pu­ter, einen Com­mo­do­re 64. Damals muss­te man kryp­ti­sche Zei­chen ein­ge­ben und oft lan­ge war­ten, bis ein Pro­gramm oder Spiel gela­den war. Es war zunächst gar nicht selbst­ver­ständ­lich, dass man sich ein­mal mit einem Zei­ger über den Bild­schirm bewe­gen wür­de. Des­halb wur­den auch Meta­phern aus der rea­len Welt über­nom­men, etwa der Desk­top oder der Papier­korb, um die Ori­en­tie­rung zu erleich­tern. Und auch die Maus selbst ist kei­ne rei­ne Inge­nieurs­leis­tung. Die Idee, ein Gerät zu ent­wi­ckeln, das sich an Nut­zungs­pro­zes­sen ori­en­tiert und Bedien­kom­fort schafft, ist letzt­lich eine klas­si­sche Designaufgabe.

Aber es geht dabei ja nicht nur um Kom­fort oder Ästhe­tik. Am Ende spielt auch Ver­trau­en eine ent­schei­den­de Rol­le, oder?

Prof. Dani­el Nus­ser: Und genau das macht die Arbeit an huma­no­iden Robo­tern so neu­ar­tig und inno­va­tiv. Mit Kaf­fee­ma­schi­nen, Bügel­eisen oder Wasch­ma­schi­nen haben wir Erfah­rung. Sie ste­hen in der Ecke und wer­den nur dann aktiv, wenn wir sie benut­zen. Bei huma­no­iden Robo­tern ist das anders. Sie haben eine dau­er­haf­te Prä­senz in unse­rer Umge­bung. Gera­de wenn wir an Huma­no­ide den­ken, die künf­tig in Haus­hal­ten ein­ge­setzt wer­den, ent­ste­hen ganz neue For­men der Inter­ak­ti­on. Wir bau­en Bezie­hun­gen zu ihnen auf, haben dafür aber noch kei­ne Erfah­rungs­wer­te. Des­halb stel­len sich vie­le neue Fra­gen: Wie inter­agie­ren wir mit ihnen? Wie rufen wir sie? Wann wer­den sie auf­dring­lich? Wann kann eine hek­ti­sche Bewe­gung viel­leicht sogar einen kur­zen Schreck aus­lö­sen? Vie­le die­ser The­men sind bis­lang kaum erforscht, und genau dar­in liegt eine gro­ße Herausforderung.

Wie fin­den Sie her­aus, wel­che Form, Bewe­gung, Stim­me oder Mimik von Men­schen als ange­nehm und ver­trau­ens­wür­dig wahr­ge­nom­men wer­den? Tes­ten Sie das?

Prof. Dani­el Nus­ser: Im pro­fes­sio­nel­len Indus­trie­de­sign gehen wir nicht zuerst von Form, Far­be oder Audio aus. Das sind eher die Ergeb­nis­se, die am Ende eines Pro­zes­ses ste­hen. Zunächst schau­en wir uns Auf­ga­ben­stel­lun­gen und Pro­zes­se an. Nicht umsonst heißt unser Stu­di­en­gang an der DIPLO­MA Hoch­schu­le „Pro­zess- und Pro­dukt­de­sign“. Der Name macht bereits deut­lich, dass wir von Pro­zes­sen auf Pro­duk­te schlie­ßen und Pro­duk­te umge­kehrt wie­der­um Pro­zes­se beeinflussen.

Die zen­tra­le Auf­ga­be im Design besteht zunächst dar­in, das Pro­blem zu defi­nie­ren: Was wol­len wir über­haupt errei­chen? Wo wol­len wir hin? Man könn­te hier von Human-Cen­te­red Design, also mensch­zen­trier­ter Gestal­tung, spre­chen. Im Fall huma­no­ider Robo­tik geht es aber eher um bezie­hungs­zen­trier­te Gestal­tung, weil wir tat­säch­lich Bezie­hun­gen zu die­sen Sys­te­men auf­bau­en. Dabei hel­fen uns Use-Case-Sze­na­ri­en, die wir mög­lichst rea­li­täts­nah ent­wi­ckeln. Künst­li­che Intel­li­genz ist dabei inzwi­schen ein sehr hilf­rei­ches Werk­zeug. Sto­ry­boards, für die frü­her meh­re­re Tage nötig waren, las­sen sich heu­te in weni­gen Stun­den erstel­len. Glei­ches gilt für anschau­li­che Vide­os. Aus die­sen Sze­na­ri­en zie­hen wir dann die ent­schei­den­den Erkennt­nis­se. Gera­de in der Arbeit mit Stu­die­ren­den geht es nicht nur dar­um, mög­li­che Anwen­dun­gen zu sam­meln, etwa dass ein Huma­no­ider das Bad putzt oder eine Glüh­bir­ne wech­selt. Viel wich­ti­ger ist es, in die Tie­fe der Nut­zungs­sze­na­ri­en ein­zu­tau­chen. Wir spre­chen dabei von Use Cases oder User Jour­neys. Erst aus die­sem Ver­ständ­nis her­aus las­sen sich Erkennt­nis­se ablei­ten, die spä­ter in die Gestal­tung einfließen.

Kön­nen Sie uns hier­für ein Bei­spiel nennen?

Prof. Dani­el Nus­ser: Ein gutes Bei­spiel ist das The­ma „Idle Sta­te“. Eine Stu­den­tin bei uns hat sich mit der Fra­ge beschäf­tigt, was ein huma­no­ider Robo­ter eigent­lich macht, wenn er nicht genutzt wird, also bei­spiels­wei­se wäh­rend des Lade­vor­gangs. Dabei sind teil­wei­se sehr inter­es­san­te Sze­na­ri­en ent­stan­den. In einem Fall gab es ein KI-Ren­de­ring einer Küche, in der die Lade­sta­ti­on zufäl­lig wie eine Toi­let­ten­schüs­sel aus­sah. Dar­über muss­ten wir selbst schmun­zeln. Aber genau dar­um geht es: Man muss sol­che Situa­tio­nen zunächst visua­li­sie­ren und durch­den­ken. Wo befin­det sich der Robo­ter eigent­lich, wenn er nicht gebraucht wird? Steht er sicht­bar im Raum? Ver­steckt er sich im Schrank oder hin­ter einem Vor­hang? Gera­de in klei­ne­ren Woh­nun­gen wer­den sol­che Fra­gen rele­vant. Man muss sich zunächst inten­siv mit die­sen The­men aus­ein­an­der­set­zen, unter­schied­li­che Sze­na­ri­en ent­wi­ckeln und in die Tie­fe gehen. Erst dar­aus ent­ste­hen neue Erkennt­nis­se, die spä­ter in die Gestal­tung ein­flie­ßen. Und dann müs­sen Tech­no­lo­gie und Gestal­tung eng zusam­men­spie­len, um dar­aus wirk­lich sinn­vol­le Lösun­gen zu entwickeln.

Gibt es in der indus­tri­el­len Fer­ti­gung einen gro­ßen Unterschied?

Prof. Dani­el Nus­ser: Da gibt es selbst­ver­ständ­lich einen gro­ßen Unter­schied. In der indus­tri­el­len Fer­ti­gung gel­ten ande­re Anfor­de­run­gen. Dort ist es mög­li­cher­wei­se mei­ner Ansicht nach gar nicht so wich­tig, dass ein Robo­ter tat­säch­lich huma­no­id oder men­schen­ähn­lich wirkt. Viel­mehr ste­hen ande­re Aspek­te im Vor­der­grund, etwa die Kraft, Prä­zi­si­on oder Effi­zi­enz, die er auf­brin­gen muss. Wir ken­nen aus der Indus­trie zahl­rei­che Sys­te­me, die streng genom­men gar kei­ne Huma­no­iden sind. Sie sehen oft völ­lig anders aus und ori­en­tie­ren sich eher an ihrer Funk­ti­on als am mensch­li­chen Vor­bild. Dort geht es in ers­ter Linie dar­um, dass bestimm­te Auf­ga­ben zuver­läs­sig aus­ge­führt wer­den können.

Aber auch dort spielt Design eine Rol­le, oder? Nur unter ande­ren Vorzeichen.

Prof. Dani­el Nus­ser: Selbst­ver­ständ­lich spielt Design auch hier eine wich­ti­ge Rol­le. Für mich ist Design weder rei­ne Ästhe­tik noch rei­ne Funk­ti­on. Design prägt Kul­tur, unse­re Umge­bung und letzt­lich auch die Art, wie wir han­deln. Gera­de in der Indus­trie spie­len ergo­no­mi­sche Aspek­te oder Fra­gen der Usa­bi­li­ty eine wich­ti­ge Rol­le. Natür­lich gehört auch die Ästhe­tik dazu. Dabei geht es aber nicht nur dar­um, dass etwas gut aus­sieht. Design kann und muss deut­lich mehr leisten.

Als Desi­gne­rin oder Desi­gner muss ich mich zunächst fra­gen: Was steckt eigent­lich in die­sem Pro­dukt? Und das gilt nicht nur für huma­no­ide Robo­ter, son­dern für jedes Pro­dukt, das wir gestal­ten. Was soll es ver­kör­pern? Wofür steht es? Damit kom­men wir zu seman­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen. Soll ein Huma­no­ider leicht­fü­ßig wir­ken? Kräf­tig? Kind­lich oder erwach­sen? Hoch­pro­fes­sio­nell, tech­no­lo­gisch oder beson­ders prä­zi­se? Sol­che Fra­gen stel­len wir uns, bevor wir über Form, Far­be oder Audio nachdenken.

Fällt Audio dann auch unter die­sen Begriff?

Prof. Dani­el Nus­ser: Auch der Ton ein wich­ti­ger Aspekt. Dafür gibt es aller­dings Spe­zia­lis­ten, etwa Sound­de­si­gner, die sich genau mit sol­chen The­men beschäftigen.

Was ich auf jeden Fall mit­neh­me: Ver­trau­en ent­steht auch durch Gestaltung.

Dani­el Nus­ser: Ver­trau­en ent­steht durch Gestal­tung. Unser Job ist, Ver­trau­en zu gestalten.

Ist Krea­ti­vi­tät auch ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Akzep­tanz huma­no­ider Systeme?

Prof. Dani­el Nus­ser: Abso­lut. Krea­ti­vi­tät ist dabei ein ent­schei­den­der Fak­tor. Des­halb plä­die­re ich auch dafür, dass wir ihr sowohl in Unter­neh­men als auch an Hoch­schu­len aus­rei­chend Raum geben. Es darf nicht aus­schließ­lich um Effi­zi­enz gehen. Krea­ti­vi­tät braucht Frei­räu­me, um sich ent­wi­ckeln zu kön­nen. Natür­lich gibt es dabei einen Unter­schied zwi­schen pro­fes­sio­nel­ler Krea­ti­vi­tät und einer Krea­ti­vi­tät, die ein­fach aus dem Moment her­aus ent­steht und nicht unbe­dingt ein kon­kre­tes Ziel verfolgt.

Wie gelingt es, Krea­ti­vi­tät in einem tech­ni­schen Umfeld sys­te­ma­tisch zu verankern?

Prof. Dani­el Nus­ser: Zunächst ein­mal ist es wich­tig, dass gera­de in Unter­neh­men eine ent­spre­chen­de Hal­tung sei­tens der Füh­rung vor­han­den ist. Ohne die­sen Wil­len funk­tio­niert es nicht. Man kann Krea­ti­vi­tät kei­nem Unter­neh­men auf­zwin­gen, das eigent­lich ganz anders aus­ge­rich­tet ist und aus­schließ­lich auf Effi­zi­enz setzt. Wobei wir über Krea­ti­vi­tät am Ende oft auch wie­der zu effi­zi­en­te­ren Lösun­gen gelan­gen. Krea­ti­vi­tät braucht zunächst ein­mal Luft zum Atmen. Genau­so wich­tig ist, dass alle mit­ein­an­der spre­chen. Krea­ti­vi­tät ent­steht nicht nur im Design, son­dern ist auch tech­no­lo­gie­ge­trie­ben. Wenn ich als Desi­gner eine Idee habe, muss ich die Funk­ti­on zumin­dest mitdenken.

In Krea­tiv­pro­zes­sen gehen wir dabei meist in zwei Schrit­ten vor. Zunächst lösen wir uns bewusst von tech­ni­schen Ein­schrän­kun­gen. Das ermög­li­che ich auch mei­nen Stu­die­ren­den. Sie dür­fen zunächst Ideen ent­wi­ckeln und aus­pro­bie­ren, ohne sie sofort zu bewer­ten. Wich­tig ist, dass wir nicht zu früh urtei­len, son­dern Gedan­ken sicht­bar machen und Ideen visua­li­sie­ren. Dazu gehört für mich auch im KI-Zeit­al­ter wei­ter­hin die Zeich­nung als wich­ti­ger Grund­bau­stein. Erst im nächs­ten Schritt wird bewer­tet, sor­tiert und struk­tu­riert. Dann prü­fen wir Ideen anhand bestimm­ter Kri­te­ri­en und lei­ten sie in eine Rich­tung, die wei­ter­ver­folgt wer­den kann. Erst danach beur­tei­len wir sie hin­sicht­lich Ver­wert­bar­keit, Wirt­schaft­lich­keit und Sinnhaftigkeit.

Wel­che Vor­aus­set­zun­gen brau­chen mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men, um sol­che Tech­no­lo­gien früh­zei­tig zu ver­ste­hen und für sich nutz­bar zu machen?

Prof. Dani­el Nus­ser: Ich den­ke dabei nicht nur an mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men, son­dern auch an klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men oder Start-ups, die sich bei­spiels­wei­se aus Hoch­schu­len her­aus grün­den. Was wir der­zeit erle­ben, ist eine Demo­kra­ti­sie­rung von Inno­va­ti­on. Durch Tech­no­lo­gien wie 3D-Druck, den ein­fa­chen Zugang zu Infor­ma­tio­nen, Künst­li­cher Intel­li­genz oder Crowd­fun­ding ist es heu­te mög­lich, deut­lich schnel­ler Pro­to­ty­pen zu ent­wi­ckeln und ganz anders zu arbei­ten als noch vor 25 Jah­ren. Als Stu­dent hät­te ich davon nur träu­men können.
Des­halb möch­te ich gera­de die­se Grup­pen ermu­ti­gen, aktiv zu wer­den. Inno­va­ti­on muss nicht immer von gro­ßen Kon­zer­nen aus­ge­hen und es muss auch nicht gleich die gro­ße tech­no­lo­gi­sche Revo­lu­ti­on sein. Oft rei­chen schon klei­ne­re Teil­aspek­te, ein­zel­ne Work­flows oder spe­zia­li­sier­te Lösun­gen, die durch neue Tech­no­lo­gien ver­bes­sert wer­den kön­nen. Gera­de für klei­ne­re Unter­neh­men und Start-ups gibt es in die­sem Bereich enorm vie­le Möglichkeiten.

Haben Sie per­sön­lich bereits Erfah­run­gen mit unse­ren För­der­pro­gram­men gemacht?

Prof. Dani­el Nus­ser: Abso­lut. Mit mei­nem eige­nen Design­bü­ro beglei­te ich Inno­va­tions- und Ent­wick­lungs­pro­jek­te von der ers­ten Idee bis hin zum Seri­en­an­lauf. Dabei sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der Unter­neh­men auf mich zuge­kom­men, die den Baye­ri­schen Inno­va­ti­ons­gut­schein genutzt haben. Auf die­se Wei­se konn­ten sie einen gro­ßen Teil der Ent­wick­lungs- und Design­leis­tun­gen för­dern las­sen und neue Ideen deut­lich ein­fa­cher umsetzen.

Jetzt gehen wir mal zehn Jah­re in die Zukunft. Wie sieht denn Ihre Visi­on eines wirk­lich men­schen­zen­trier­ten huma­no­iden Robo­ters aus – im posi­ti­ven wie auch im nega­ti­ven Sinne?

Prof. Dani­el Nus­ser: Im posi­ti­ven Fall, so wie ich es mir wün­sche, neh­men uns Huma­no­ide vor allem unan­ge­neh­me oder belas­ten­de Auf­ga­ben ab. Dadurch gewin­nen wir mehr Zeit für die Din­ge, die uns wirk­lich wich­tig sind: sozia­le Kon­tak­te, Zeit in der Natur, Tref­fen mit Freun­den, Rei­sen oder auch krea­ti­ve Tätig­kei­ten. Natür­lich gibt es auch dys­to­pi­sche Sze­na­ri­en, von denen ich hof­fe, dass sie nie­mals ein­tre­ten. Die Vor­stel­lung, dass huma­no­ide Robo­ter uns irgend­wann beherr­schen könn­ten, ist nicht völ­lig aus der Luft gegrif­fen. Sol­che Über­le­gun­gen beru­hen durch­aus auf rea­len Ent­wick­lun­gen und zei­gen, dass wir Men­schen ver­ant­wor­tungs­voll mit die­ser Tech­no­lo­gie umge­hen müssen.
Ich glau­be dabei gar nicht unbe­dingt, dass wir dau­er­haft an einer streng men­schen­ähn­li­chen Form fest­hal­ten wer­den. Viel­leicht wer­den uns künf­tig ganz unter­schied­li­che, krea­tiv gestal­te­te Sys­te­me begleiten.

Es gibt vie­le Hun­de­lieb­ha­ber. Viel­leicht geht es ja in die­se Richtung?

Prof. Dani­el Nus­ser: Ja zum Bei­spiel. Denk­bar wären bei­spiels­wei­se For­men, die eher Leich­tig­keit ver­mit­teln, wie ein Schmet­ter­ling. Hier gibt es vie­le span­nen­de Visio­nen und Mög­lich­kei­ten, wie sich die­se Tech­no­lo­gie im posi­ti­ven Sin­ne ent­wi­ckeln könnte.

Wenn Sie einem huma­no­iden Robo­ter eine ein­zi­ge mensch­li­che Eigen­schaft mit­ge­ben könn­ten, wel­che wäre das? Den­ken, Füh­len oder viel­leicht sogar Zweifeln?

Prof. Dani­el Nus­ser: Ich wür­de sagen: ein gesun­des Zwei­feln. Der Grund dafür ist, dass Den­ken, je nach­dem, wie man es defi­niert, teil­wei­se heu­te schon statt­fin­det oder künf­tig statt­fin­den wird. Auch das The­ma Gefüh­le ist kom­plex und müss­te sehr aus­ge­wo­gen betrach­tet werden.
Ein gesun­des Zwei­feln an dem, was ein Sys­tem tut, und auch im Umgang mit uns Men­schen, könn­te die­ser Ent­wick­lung aber durch­aus guttun.

Das Inter­view führ­te Bar­ba­ra Groll, Media Rela­ti­ons, Bay­ern Inno­va­tiv GmbH, Nürnberg

„Ver­trau­en ent­steht durch Gestal­tung. Das ist unser Job: Ver­trau­en zu gestalten.“

Prof. Daniel Nusser, Inhaber, designflow

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