Die Technischen Hochschule Ingolstadt und bayern design hatten am Freitag, den 21. November 2025 zum Netzwerktreffen der bayerischen Designprofessor:innen nach Ingolstadt eingeladen.
Der Design Campus, organisiert von bayern design, schafft regelmäßig einen Ort für Austausch, Vernetzung und inhaltliche Impulse rund um die aktuellen Fragen, die das Design bewegen. Das diesjährige Netzwerktreffen bayrischer Designprofessor:innen verwandelte die Technische Hochschule Ingolstadt in einen Ort, an dem Zukunft, Verantwortung und Gestaltung nicht nur diskutiert, sondern aktiv erlebt wurden. Begrüßt wurden die 21 Gäste durch Prof. Bernhard Rothbucher der THI und Verena Westernacher und Christian Fayek von bayern design.
Mary Shelleys berühmte Zeile aus Frankenstein diente als poetischer Auftakt und zugleich als gedankliche Einladung: Was bedeutet Fortschritt? Wer gestaltet ihn? Und welche Verantwortung trägt Design im Umgang mit Technologie?
Ingolstadt, historisch Aufbruchs- und Geheimort zugleich, lieferte die dramaturgische Klammer: Hier suchten einst die Illuminaten nach höherem Wissen, hier stand Bayerns erste Universität und hier schenkte Mary Shelley ihrem künstlichen Wesen Leben. Mit KI, Biotechnologie und immersiven digitalen Welten stehen wir heute zwar vor neuen Herausforderungen, die Suche nach einem sinnstiftenden und zukunftsfähigen Umgang ist geblieben.
Schon zu Beginn ihres Vortrags „Zukunft für alle“ stellt Prof. Dr. Laura Aline Bechthold (Bayerisches Foresight Institut, Future Council für die EXPO 2035 Berlin) die zentrale Frage: Wie können wir die Zukunft von heute aktiv verändern und welche neuen Narrative brauchen wir dafür? Doch was bedeutet „Zukunft“ überhaupt? Und wer kann sie definieren? Ist alles vorherbestimmt? Oder ist Zukunft ein offener Raum? Unsere Vorstellungen beruhen oft auf Annahmen.
Bechthold brachte es klar auf den Punkt. Gleichzeitig zeigte sie eindrückliche Fakten auf:
Besonders wegen dieser Herausforderungen plädierte Bechthold für eine Haltung der aktiven Mitgestaltung und für den Aufbau von neuen Formen der Zukunftskompetenz – Futures Literacy, um Gesellschaft und Individuen und besonders Gestalter:innen zu befähigen, aktiv mitzuwirken.
Vier Zukunftsszenarien, die Chancen bieten:
The Era of Living Intelligence Konvergenz von KI, Sensortechnologie und Bioengineering wird zu komplett neuen Wertschöpfungsmodellen führen.
The Era of Proximity Produktion und Konsum von Gütern, Services und Erlebnissen rücken immer näher in die Richtung der Verbraucher.
The Era of Longevity Die durchschnittliche Lebensspanne wird sich erhöhen, was erhebliche Auswirkungen auf traditionelle Lebensmodelle haben wird.
The Era of Superdiversity Die Gesellschaft wird diverser. Die Erkenntnis, dass Diversität eine echte gesellschaftliche Stärke sein kann, muss sich durchsetzen. Vielfalt ist kein Hindernis für Zukunftsgestaltung, sondern der Motor, der uns weiterbringt.
Design, so Bechthold, spielt eine zentrale Rolle bei Zukunftsfragen: Es macht Technologien erfahrbar, schafft Zugang, formt Interaktion. Gleichzeitig trägt Design Verantwortung – für Transparenz, Zugänglichkeit, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Gerade bei KI und digitalen Umwelten sei Design nicht nur Vermittler, sondern Mitgestalter ethischer Rahmenbedingungen.
Am Ende steht ein klarer Appell: Zukunft darf nicht exklusiv sein. Sie muss Menschen einladen, befähigen und einbinden – unabhängig von Herkunft, Status oder Expertise. Gestaltung ist dabei Hebel und Haltung zugleich. Bechtholds Vortrag hinterließ eine Mischung aus Aufbruchsstimmung und Nachdenklichkeit und bildete den Ausgangspunkt für intensive Gespräche.
William Gibson
Nach der Mittagspause öffneten thematisch spezialisierte Labore ihre Türen. Die Teilnehmenden konnten Zukunftstechnologien nicht nur ansehen, sondern selbst erleben – in all ihren gestalterischen, gesellschaftlichen und ethischen Dimensionen:
3D-Scan – präzise Körper- und Objekterfassung für neue Designprozesse VR / AR – immersive Welten und Anwendungen für Lehre und Praxis CARISSMA (THI Forschungszentrum) – Fahrzeug- und Verkehrssicherheitsforschung, autonomes Fahren und Mobilität von morgen
Nach den Laboren hielt André Isidro (Bayerische Forschungsallianz) einen abschließenden Vortrag in dem er Einblicke in Designforschungsinitiativen, das New European Bauhaus und Förderprogramme im Rahmen von EU-Projekten gab.
Der Design Campus 2025 zeigte einmal wieder, welchen Beitrag Design in Zeiten technologischer Umbrüche leisten kann: nicht nur ästhetisch, sondern gesellschaftlich, strategisch und kulturell. Die Mischung aus visionären Impulsen und erlebbarer Technologie machte den Tag zu einem intensiven, inspirierenden Austauschformat. Und er machte Mut, Zukunft nicht einfach abzuwarten, sondern sie gemeinsam zu gestalten.
Teilnehmer:innen in den Laboren (Fotos: Max Schütze)
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