3. Dezember 2025

Das war der Design Cam­pus 2025

7. Netz­werktref­fen der baye­ri­schen Designprofessor:innen

Die Tech­ni­schen Hoch­schu­le Ingol­stadt und bay­ern design hat­ten am Frei­tag, den 21. Novem­ber 2025 zum Netz­werktref­fen der baye­ri­schen Designprofessor:innen nach Ingol­stadt ein­ge­la­den. 

Der Design Cam­pus, orga­ni­siert von bay­ern design, schafft regel­mä­ßig einen Ort für Aus­tausch, Ver­net­zung und inhalt­li­che Impul­se rund um die aktu­el­len Fra­gen, die das Design bewe­gen. Das dies­jäh­ri­ge Netz­werktref­fen bay­ri­scher Designprofessor:innen ver­wan­del­te die Tech­ni­sche Hoch­schu­le Ingol­stadt in einen Ort, an dem Zukunft, Ver­ant­wor­tung und Gestal­tung nicht nur dis­ku­tiert, son­dern aktiv erlebt wur­den. Begrüßt wur­den die 21 Gäs­te durch Prof. Bern­hard Roth­bu­cher der THI und Vere­na Wes­ter­na­cher und Chris­ti­an Fay­ek von bay­ern design.

„You seek for know­ledge and wis­dom, as I once did…“

Mary Shel­leys berühm­te Zei­le aus Fran­ken­stein dien­te als poe­ti­scher Auf­takt und zugleich als gedank­li­che Ein­la­dung: Was bedeu­tet Fort­schritt? Wer gestal­tet ihn? Und wel­che Ver­ant­wor­tung trägt Design im Umgang mit Technologie?

Zwi­schen Auf­klä­rung und Utopie

Ingol­stadt, his­to­risch Auf­bruchs- und Geheim­ort zugleich, lie­fer­te die dra­ma­tur­gi­sche Klam­mer: Hier such­ten einst die Illu­mi­na­ten nach höhe­rem Wis­sen, hier stand Bay­erns ers­te Uni­ver­si­tät und hier schenk­te Mary Shel­ley ihrem künst­li­chen Wesen Leben. Mit KI, Bio­tech­no­lo­gie und immersi­ven digi­ta­len Wel­ten ste­hen wir heu­te zwar vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen, die Suche nach einem sinn­stif­ten­den und zukunfts­fä­hi­gen Umgang ist geblieben.

„Zukunft für alle“

Schon zu Beginn ihres Vor­trags „Zukunft für alle“ stellt Prof. Dr. Lau­ra Ali­ne Becht­hold (Baye­ri­sches Fore­sight Insti­tut, Future Coun­cil für die EXPO 2035 Ber­lin) die zen­tra­le Fra­ge: Wie kön­nen wir die Zukunft von heu­te aktiv ver­än­dern und wel­che neu­en Nar­ra­ti­ve brau­chen wir dafür? Doch was bedeu­tet „Zukunft“ über­haupt? Und wer kann sie defi­nie­ren? Ist alles vor­her­be­stimmt? Oder ist Zukunft ein offe­ner Raum? Unse­re Vor­stel­lun­gen beru­hen oft auf Annahmen.

Prof. Dr. Laura Aline Bechthold

Zukunft ent­steht nicht – sie wird gestaltet.

Becht­hold brach­te es klar auf den Punkt. Gleich­zei­tig zeig­te sie ein­drück­li­che Fak­ten auf:

  • Bis 2050 könn­ten 31 der 195 aner­kann­ten Län­der unbe­wohn­bar werden.
  • Bereits 2035 wer­den 45 % der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land über 65 Jah­re alt sein.
  • Gleich­zei­tig wird der Kli­ma­wan­del auch hier­zu­lan­de mas­si­ve Ver­än­de­run­gen mit sich bringen.

Beson­ders wegen die­ser Her­aus­for­de­run­gen plä­dier­te Becht­hold für eine Hal­tung der akti­ven Mit­ge­stal­tung und für den Auf­bau von neu­en For­men der Zukunfts­kom­pe­tenz – Futures Liter­acy, um Gesell­schaft und Indi­vi­du­en und beson­ders Gestalter:innen zu befä­hi­gen, aktiv mitzuwirken.

Vier Zukunfts­sze­na­ri­en, die Chan­cen bieten:

The Era of Living Intelligence
Kon­ver­genz von KI, Sen­sor­tech­no­lo­gie und Bio­en­gi­nee­ring wird zu kom­plett neu­en Wert­schöp­fungs­mo­del­len führen.

The Era of Proximity
Pro­duk­ti­on und Kon­sum von Gütern, Ser­vices und Erleb­nis­sen rücken immer näher in die Rich­tung der Verbraucher.

The Era of Longevity
Die durch­schnitt­li­che Lebens­span­ne wird sich erhö­hen, was erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf tra­di­tio­nel­le Lebens­mo­del­le haben wird.

The Era of Superdiversity
Die Gesell­schaft wird diver­ser. Die Erkennt­nis, dass Diver­si­tät eine ech­te gesell­schaft­li­che Stär­ke sein kann, muss sich durch­set­zen. Viel­falt ist kein Hin­der­nis für Zukunfts­ge­stal­tung, son­dern der Motor, der uns weiterbringt.

Design, so Becht­hold, spielt eine zen­tra­le Rol­le bei Zukunfts­fra­gen: Es macht Tech­no­lo­gien erfahr­bar, schafft Zugang, formt Inter­ak­ti­on. Gleich­zei­tig trägt Design Ver­ant­wor­tung – für Trans­pa­renz, Zugäng­lich­keit, öko­lo­gi­sche und sozia­le Nach­hal­tig­keit. Gera­de bei KI und digi­ta­len Umwel­ten sei Design nicht nur Ver­mitt­ler, son­dern Mit­ge­stal­ter ethi­scher Rahmenbedingungen.

Am Ende steht ein kla­rer Appell: Zukunft darf nicht exklu­siv sein. Sie muss Men­schen ein­la­den, befä­hi­gen und ein­bin­den – unab­hän­gig von Her­kunft, Sta­tus oder Exper­ti­se. Gestal­tung ist dabei Hebel und Hal­tung zugleich. Becht­holds Vor­trag hin­ter­ließ eine Mischung aus Auf­bruchs­stim­mung und Nach­denk­lich­keit und bil­de­te den Aus­gangs­punkt für inten­si­ve Gespräche.

„The future is alre­a­dy here – it’s just not very even­ly distributed.“

Wil­liam Gibson

Die Labo­re: Zukunft erleben

Nach der Mit­tags­pau­se öff­ne­ten the­ma­tisch spe­zia­li­sier­te Labo­re ihre Türen. Die Teil­neh­men­den konn­ten Zukunfts­tech­no­lo­gien nicht nur anse­hen, son­dern selbst erle­ben – in all ihren gestal­te­ri­schen, gesell­schaft­li­chen und ethi­schen Dimensionen:

3D-Scan – prä­zi­se Kör­per- und Objekt­er­fas­sung für neue Designprozesse
VR / AR – immersi­ve Wel­ten und Anwen­dun­gen für Leh­re und Praxis
CARISS­MA (THI For­schungs­zen­trum) – Fahr­zeug- und Ver­kehrs­si­cher­heits­for­schung, auto­no­mes Fah­ren und Mobi­li­tät von morgen

Nach den Labo­ren hielt André Isidro (Baye­ri­sche For­schungs­al­li­anz) einen abschlie­ßen­den Vor­trag in dem er Ein­bli­cke in Design­for­schungs­in­itia­ti­ven, das New Euro­pean Bau­haus und För­der­pro­gram­me im Rah­men von EU-Pro­jek­ten gab.

Ein Tag zwi­schen Visi­on, Ver­ant­wor­tung und Verbundenheit 

Der Design Cam­pus 2025 zeig­te ein­mal wie­der, wel­chen Bei­trag Design in Zei­ten tech­no­lo­gi­scher Umbrü­che leis­ten kann: nicht nur ästhe­tisch, son­dern gesell­schaft­lich, stra­te­gisch und kul­tu­rell. Die Mischung aus visio­nä­ren Impul­sen und erleb­ba­rer Tech­no­lo­gie mach­te den Tag zu einem inten­si­ven, inspi­rie­ren­den Aus­tausch­for­mat. Und er mach­te Mut, Zukunft nicht ein­fach abzu­war­ten, son­dern sie gemein­sam zu gestalten.

Teilnehmer:innen in den Labo­ren (Fotos: Max Schütze)